BKL DachNews - Ausgabe 3/2025

NEWS DACH 3/25 18 19 Die Insel Mainau ist vielen als üppig grüne, blühende Oase bekannt. Mit ihrer günstigen Lage im Bodensee gedeiht hier manch tropische und subtropische Pflanze. Im Blütenmeer könnte man fast das Schloss übersehen, das seit Jahrhunderten auf der Mainau überdauert und nach den Entwürfen von Johann Caspar Bagnato 1739 begonnen und nach siebenjähriger Bauzeit vollendet wurde. Ganz so eine lange Lebensdauer hat die Biberschwanzeindeckung auf dem Dach noch nicht auf dem Rücken, doch zeigte sie sich nach einigen Jahrzehnten marode und sollte ausgetauscht werden. Das dreiflügelige Barockschloss ist um einen Hof und mit einem seitlichen Terrassengarten angelegt. Das Schloss ist bis heute Wohnsitz der gräflichen Familie. Unmittelbar angrenzend an den Südflügel befindet sich das Palmenhaus. Seine großen Glasflächen verursachten erheblichen Zusatzaufwand während der Bauarbeiten. Sanierung in Abschnitten Das Dach des Schlosses wird in mehreren Abschnitten saniert. Im aktuellen Bauabschnitt wurde das Hauptdach des Schlosses in Angriff genommen. „Wir arbeiten seit 2017 immer wieder in einzelnen Abschnitten auf dem Schlossdach“, berichtet Dachdeckermeister Rüdiger Fischer, Inhaber von Schütz Bedachungen in der Bodensee-Gemeinde Reichenau. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie brachte das Projekt mehrfach ins Stocken, doch nun konnte der vierte Bauabschnitt fertiggestellt werden. Der letzte Bauabschnitt wird die Dachsanierung des Südflügels sein. Die Dachdecker gingen im ersten Schritt den Rückbau der alten Eindeckung inklusive der Dachlattung an. Doch dann mussten zunächst die Zimmerleute anrücken. Im Traufbereich hatte sich der echte Hausschwamm ausgebreitet, was umfangreiche Sanierungsmaßnahmen des Dachstuhls nötig machte. Beide Gewerke arbeiteten abschnittsweise, den Zimmermännern waren die Dachdecker immer dicht auf den Fersen. Waren die Zimmerleute mit der Ertüchtigung des Dachstuhls fertig, übernahmen die Dachdecker wieder mit dem Aufbringen der Konter- und Dachlattung. Eingedeckt wurde das Dach mit neuen roten Biberschwanzziegeln. „Auch vor der Sanierung war das Dach mit Biberschwanz eingedeckt, jedoch in einer anderen Farbe. Die alten dunklen Ziegel waren zwar nicht besonders alt, sie stammten aus den fünfziger Jahren, sie lösten sich nun aber in ihre Bestandteile auf. Diese Ziegel hatten einen hohe Kalkanteil, sodass sie aufschieferten und sich langsam zersetzten“, berichtet Rüdiger Fischer. „Die neuen Ziegel wurden in Doppeldeckung mit dem Creaton Denkmalbiber verlegt, den wir bei vielen Denkmalsanierungen verwenden.“ Der Denkmalschutz gibt den Ton an Das ganze Gebäudeensemble steht unter Denkmalschutz. Deshalb wurden dort nur Maßnahmen durchgeführt, die das Denkmalamt mitträgt. Der Dachaufbau folgt diesen Vorgaben und orientiert sich weitgehend an den Möglichkeiten der Entstehungszeit des Gebäudes. Das Gebälk trägt das gesamte Dach, einschließlich Dachdeckung und Lattung, die auch im Dachraum in der Untersicht zu sehen ist. In Teilbereichen durfte auch aus Denkmalsicht eine Unterspannbahn eingezogen werden. Diese wurde eingesetzt, um während der Bauphase zu gewährleisten, dass in diesem Bereich kein Wasser eindringt. „Wären dort nach der Beseitigung des Holzschwamms neue Feuchteschäden entstanden, wäre das natürlich schmerzlich. Der Zimmermann hat dort mit Silikatplatten gearbeitet und den Bereich zum Teil aufgemauert. Ein besonderer Mörtel kam hierbei zum Einsatz. Diese Arbeiten wurden durch die Unterspannbahnen zusätzlich geschützt. Die offene Gestaltung dient der Durchlüftung, sodass Feuchteschäden vermieden werden. Denkmalgerechter Biberschwanz Die Wahl des Dachziegels brachte keine langwierigen Abstimmungsprozesse mit sich. „Wir haben schon vor 15 Jahren das Torbogengebäude auf der Mainau saniert und damals den gleichen Ziegel verwendet. Das Dach ist nun komplett patiniert, sodass man ein perfektes Anschauungsobjekt hatte, um zu sehen, wie sich das Aussehen der Ziegel im Laufe der Zeit verändert. Das gefiel dem Denkmalamt gut, darum haben wir jetzt dieselbe Wahl getroffen“, berichtet Rüdiger Fischer. Die gesamte Dachfläche des Schlosses umfasst rund 2000 qm und wird mit ca. 70.000 Creaton Antik Korbbogen Biberschwanzziegeln belegt. Einige Teilbereiche erwiesen sich als aufwendig, da die gesamte Dachlandschaft „mit Anschlüssen gespickt ist“, wie der Dachdeckermeister verrät. Das Gebäude verfügt über viele unterschiedliche Gaubenformen, deren Außenhüllen alle individuell saniert wurden. Bei den kleineren Gauben wurden die Holzschindelverkleidungen ausgetauscht, bei anderen Gauben wurden zum Teil auch Putzflächen, Blecheindeckungen und Sandsteinbereiche saniert. Gerade die zum Teil rundgeformten Dachgauben erforderten viel Detailliebe. Lange Kehlen von bis zu 14 Metern, viele Grate und Firstbereiche kamen hinzu. „Das Schloss hat eine besondere Form. In der Mitte vom Mittelflügel ist noch einmal ein Turmteil platziert. Das Dach ist in diesem Bereich pyramidenförmig und erfordert Anschlüsse ans eigentliche Schlossdach. In diesen Anschlussstellen war sehr viel Schneidearbeit notwendig“, erklärt Rüdiger Fischer. Besonderheiten weist auch der Turmbereich auf. Die Firstziegel wurden entsprechend den Vorgaben des Denkmalamts grau eingemörtelt. Die Firstziegel liegen auf einem Doppelgebinde in Kronendeckung. Für die Lagerschicht wurden schmalere Ziegel verwendet, um eine optisch dezente Belüftung des Dachs zu realisieren. Kehle mit Grat Die Dachdecker hatten die Aufgabe, im Kehlbereich des Turms gute Lösungen zu finden. Hier verlaufen Hauptkehlen, die unmittelbar an einen Grat anschließen mit einem Höhenversatz von 20 cm. Die Lösung war so ungewöhnlich wie praktikabel: Die Dachdecker stellten die Biberschwanzziegel der Länge nach hinein und setzten große Blechnocken darunter. Mit den der Länge nach gestapelten Ziegeln in der Kehle konnten sie so den Ausgleich vornehmen. Besondere Vorsicht für das Palmenhaus An der Südseite grenzt das gläserne Palmenhaus direkt an das Schloss. Daher waren hier nicht nur während der Bauphase einige Schutzmaßnahmen notwendig. In den angrenzenden Dachbereichen wurden klassische Schneefänge aus Metall installiert, damit eine mögliche anstehende Schneelast nicht auf die Glasdächer rutschen kann. Da hier während der Bauzeit auch keine Gerüste gestellt werden konnten, griff man auf Schutzgitter zurück, damit möglicherweise herabfallende Ziegel nicht direkt in das direkt angebaute Palmenhaus fallen. Dem Arbeitsaufwand der Baustelle entsprechend intensiv gestaltete sich auch der Personalaufwand mit sechs bis acht Leuten eher hoch. Der Anlieferverkehr musste etwas weitsichtiger als eine „normale“ Baustelle organisiert werden. Die Unternehmen sind auf der Mainau angewiesen, Material nur morgens auf die Baustelle anzuliefern, damit im Laufe des Tages keine großen Fahrzeuge mehr den Publikumsverkehr stören. Und wie beurteilen die Dachdecker selbst die Arbeit auf der Mainau? „Wir arbeiten gern an Objekten dieser Art, weil die Handwerkskunst da sehr stark gefordert wird“, erläutert Rüdiger Fischer. „Daher hoffen wir, dass wir in Kürze auch das Dach der Schlosskirche sanieren dürfen.“ Mitten im Blumenmeer deckten die Dachdecker das Dach des Schlosses auf der Insel Mainau neu ein. Die Dachlandschaft wartete mit einigen kniffeligen Herausforderungen auf. Der Dachstuhl wurde in Teilen ausgetauscht, das Dach komplett frisch eingelattet. Die Gauben wurden mitsaniert. Verlag: Verlag Schensina, Marcus Schensina Erlengrund 282, 48308 Senden, • Telefon: 02597/99123-0 • Fax: -21 • E-mail: mail@schensina.de Chefredakteur: Marcus Schensina Herausgeber: FDF-Dienstleistungsgesellschaft mbH, Rathausstraße 5, 57234 Wilnsdorf Tel.: 02739 / 8932-0, Fax: -33 Geschäftsführer: Heinz Slink www.fdf-dach.de Die in den DACH NEWS veröffentlichten Beiträge, Bilder und Fotos sind urheberrechtlich geschützt. Ein Nachdruck, auch in Auszügen, ist nur mit schriftlicher Zustimmung des Verlages erlaubt. Namentlich oder anderweitig gezeichnete Beiträge sowie Zitate geben nicht in jedem Fall die Meinung der Herausgeber/Redaktion wieder. Alle Warenangaben und Daten (sie basieren auf Herstellerangaben) sind vorbehaltlich und ohne Gewähr. Irrtümer können nicht ausgeschlossen werden. Farbabweichungen zu den Originalfarben sind drucktechnisch bedingt. Zwischenzeitliche Modelländerungen sind möglich. Ein Modellanspruch ist ausgeschlossen. Rechtsansprüche - gleich welcher Art - können aus einer Veröffentlichung nicht abgeleitet werden. © Copyright by Verlag SCHENSINA Impressum Baustelle mit Aussicht: Das Dach des Schlosses der Insel Mainau. Neue Ziegel für das Schloss-Dach Die Vorteile: • Geringe Einbauhöhe • Schnelle und unkomplizierte Montage • Regensicherheit, durch an die Dacheindeckung angepasste Anschlüsse • Besonders robuste, witterungsbeständige Ausführung durch feuerverzinkten Stahl • Hochwertiges Material und Verzinkung bedeutet lange Lebensdauer • Auf Wunsch zusätzlich colorbeschichtet • Ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis Durch das Dach mitgedacht Solar-/Steildach Kabeldurchführung Unnötige Kompromisse oder an falscher Stelle gespart, begünstigt Schäden an Dächern und hinterlässt oft optische Mängel. Beim Dachzubehörhersteller Lemp hat man diese Schwachstellen erkannt und mit der neuen Lemp Solar- /Steildach Kabeldurchführung ein Rundum-sorglos-Paket entwickelt. Mit den Anforderungen „einfache und schnelle Montage, optisch an die Dacheindeckung angepasst und ein ausgewogenes Preisverhältnis“ hat sich Lemp an die Entwicklung begeben und kann jetzt, nach sorgfältiger Prüfung und vielen Tests, ein durchdachtes Endprodukt präsentieren. Mehrgewinn durch zusätzliche Details Im Set, mit der universal bzw. ziegelspezifischen Kabeldurchführung, erhalten Verarbeiter zwei hochwertige, UV- und witterungsstabilisierte EPDM-Einsätze für Kabel und Leitungen: 1. EPDM-Einsatz Photovoltaik: für 10 Kabel (Ø 3 bis 13 mm) 2. EPDM-Einsatz Solarthermie: für 4 Kabel (2 Kabel Ø 3 bis 9 mm plus 2 Kabel Ø 10 bis 45 mm) Fazit: Diese Solar-/Steildach Kabeldurchführung lässt keine Wünsche offen. Die bisher erhältlichen Marktprodukte haben eine starke, neue SSD-Ausführung dazubekommen, die jedem Vergleich - und sogar darüber hinaus - standhält. Weitere Informationen: www.lemp.de

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