2 Herr Bosbach, auch wenn Sie ja nun Politiker im Ruhestand sind, als erstes natürlich die Frage über eine Bewertung für die Regierung von Friedrich Merz. Wie gut oder erfolgreich waren die ersten knapp 6 Monate? Bosbach: "Ruhestand" ist gut.... Wenn es mal soweit sein sollte, gebe ich Ihnen sofort Bescheid! Formal haben Sie dennoch Recht, aber auch ohne Mandat kann man politisch aktiv sein. Der Start der Regierung war holprig, zumal das Kapitel "Schuldenbremse" gerade seitens der Union im Wahlkampf doch etwas anders thematisiert wurde. Deshalb hat die Änderung des Grundgesetzes zur Aufnahme gewaltiger Kredite - noch mit den Mehrheiten des alten Bundestages- verständlicherweise für Nachfragen und Kritik gesorgt. Dann wurden rasch viele Weichen - um unsere Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs zu bringen - in die richtige Richtung gestellt, allerdings hätte die avisierte Senkung der Strompreise für alle erfolgen müssen, nicht nur für Teile des produzierenden Gewerbes. Kurzum: Es gibt Licht, aber auch Schatten. Nun hat Merz einen Herbst der Reformen angekündigt. Wo sehen Sie dringendsten Handlungsbedarf? Bosbach: Zum einen bei den Klassikern "Entbürokratisierung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren." Wenn wir hier nicht zügig von der Rhetorik zum Machen kommen, wird das gigantische Infrastrukturpaket nicht schnell die gewünschte Wirkung entfalten können. Zum anderen bei der Reform der sozialen Sicherungssysteme, hier steigen die Ausgaben deutlich schneller als die Einnahmen. Daher der Handlungsdruck. Unsere Zeitung wendet sich an Handwerker. Wie steht es bei Ihnen in Sachen Bauen und Handwerk? Bosbach: Äh, tja, also, ähem, ich sage es mal so: Meine Frau ist da 10 x begabter als ich. Sie sagt oft: Bitte hilf mir nicht, dann bin ich schneller fertig. Obwohl: Sooo schlimm ist es nicht. Ich kann schon einen Hammer von einer Zange und einen Dübel von einem Bohrer unterscheiden. Das ist ja auch schon was! Politisch betrachtet ist die Bauwirtschaft derzeit eher ein Problemkind. Der Neubau schwächelt extrem, bauen ist einfach zu teuer? Ist das eine Frage für politisches Einschreiten oder ein marktwirtschaftliches Problem? Bosbach: Lage leider zutreffend beschrieben, aber nicht jedes Problem lässt sich politisch lösen. Wenn z. B. die Finanzierungskosten stetig steigen, oder Baumaterialien teurer werden, weil auch die Rohstoffe teurer wurden und die Löhne gestiegen sind, dann ist nicht in erster Linie die Politik gefragt. Anders bei Änderungen im BauGB, Stichwort Bauturbo, oder in den LandesbauO um das Bauen preiswerter zu machen. Immerhin hat die Politik das Problem erkannt und auch hier die Weiche neu und richtig gestellt, aber Debatten um eine Verstaatlichung von Wohnungsgesellschaften führt dort garantiert nicht zu neuer Lust an Investitionen. Hohe Mietkosten in Ballungszentren sind gleich das zweite Problem, das politisch sehr aufgeladen ist. Brauchen wir zeitlich begrenzte Mietendeckel oder was hilft? Bosbach: Bauen, bauen, bauen - das hilft. Durch Mietendeckel entstehen keine neuen Wohnungen. Sie dämpfen den Preisanstieg, der aber ist eine Folge von überhöhter Nachfrage bei zu geringem Angebot. Daher: Bauen! Sozialkosten sind für die Bauwirtschaft und auch jeden Handwerksbetrieb ein enormer Kostenfaktor. Geht es finanzpolitisch überhaupt, Lohnnebenkosten noch einmal zu senken? Bosbach: Wir sollten froh sein, wenn die Lohnnebenkosten nicht immer weiter ansteigen. Deshalb sind ja auch die geplanten Reformen der sozialen Sicherungssysteme so wichtig. Aber machen wir uns nichts vor: Egal was kommt, es wird massive Kritik geben. Motto: "Natürlich muss gespart werden, aber doch nicht an dieser Stelle! Wo denn stattdessen? Lasst Euch was einfallen! Vielleicht hier? Da erst recht nicht!!" Ein weiteres Streitthema durchzieht vor allem auch das Handwerk. Die Rente mit 70 ist immer wieder Streitthema. Ist das auf Dauer zu verhindern? Bosbach: Ein gesetzliches Renteneintrittsalter von 70 Jahren werden wir beide garantiert nicht erleben. Die Anhebung auf 67 Jahre war ja schon eine schwere Geburt. Die Probleme liegen eher bei einem zu frühen Austritt aus dem Erwerbsleben, siehe abschlagsfreie Vorruhestandsregelung. Unsere Leser sind Dachdecker. Und werden ja gerne als Gegenbeispiel für die Rente mit 70 angeführt. Mit 70 aufs Dach klettern ist halt für viele nicht mehr möglich. Was wird aus denen? Bosbach: Oh je, oh je. Ich sage nur Kurt Beck. Der war es doch, der mit dem Beispiel vom wackeren, aber betagten Dachdecker für den vorgezogenen Ruhestand geworben hat. Es waren aber nicht überwiegend Handwerker, sondern Büroberufe und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, die vom neuen Recht Gebrauch gemacht haben. Der nächste politische Knackpunkt für Handwerksarbeit liegt am unteren Lohnende. Auf dem Bau bedarf es einfach auch billiger Arbeitskraft für einfache Aufgaben. Harte Arbeit in der Nähe des Mindestlohns, die gegen das Einstreichen von Sozialleistungen also Bürgergeld konkurriert. Was ist hier Ihrer Meinung nach mit sozialer Gerechtigkeit? Bosbach: Gute Frage, kurze Antwort: Soziale Gerechtigkeit schulden wir nicht nur denen, die auf soziale Leistungen angewiesen sind, sondern auch jenen, die tagtäglich dafür arbeiten, dass diese Leistungen überhaupt bezahlt werden können. Der Sozialstaat soll denen helfen, die wollen - “KI wird keine Dächer decken” aber nicht können. Nicht aber auch noch denen, die könnten, aber nicht wollen. Alle oben angeführten Probleme der Baubranche gipfeln dann in einer immer größer werdenden Fachkräftelücke. Die Babyboomer gehen in den Ruhestand und bei jungen Leuten der Generation Y und Z ist handwerkliche und körperliche Arbeit anscheinend weniger beliebt. Wie wird dieses Problem in Zukunft gelöst? Das trifft ja nicht nur das Handwerk. Bosbach: Das stimmt. Ende November 2024 hat eine Bande in Köln anstelle eines Geldautomaten einen Kontoauszugdrucker gesprengt. Offensichtlich gibt es sogar im Milieu schon einen Fachkräftemangel (lacht). Aber jetzt mal im Ernst: Nicht der Staat entscheidet, wer welchen Beruf ergreift. Das entscheiden die Bürgerinnen und Bürger ganz souverän. Werben und informieren! Nicht nur, aber gerade im Handwerk werden Fachkräfte händeringend gesucht. KI wird niemals in der Lage sein ein Dach zu decken. Zuwanderung von Qualifizierten kann helfen dieses Problem zu lösen, aber niemals inländische Aktivitäten ersetzen. Jetzt haben wir viele kontroverse Themen angesprochen. Womit können Sie unseren Lesern zum Abschluss ein wenig Mut für die Zukunft machen? Bosbach:Anfang des Jahres habe ich auf die gleiche Frage mit "Julian Nagelsmann" geantwortet. Jetzt bin ich mir gar nicht mehr so sicher... Ich habe Vertrauen in die junge Generation. Es gibt unzählige motivierte, fleißige, strebsame junge Leute. Schenken wir ihnen Vertrauen und geben wir ihnen eine Chance! Mit anhaltender Schwächephase im Neubau wird deutsche Bauwirtschaft immer mehr zum Politikum: Neubauförderung, Mietendeckel, Sozialkosten und Bürokratie sind nur einige Streitpunkte. Was denkt einer, der sich in politischen Entscheidungsprozessen in Deutschland bestens auskennt? Mit Wolfgang Bosbach steht ein erfahrener Politprofi in unserem Exklusiv-Interview Rede und Antwort. Wolfgang Bosbach (73) ist Rechtsanwalt und Politiker. Von 1994 bis 2017 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 2000 bis 2009 STV. Vorsitzender der CDU/CSU Bundestagsfraktion, von 2008 bis 2015 Vorsitzender des Innenausschusses. Er ist Rechtsanwalt in der Kanzlei Winter Rechtsanwälte in Bergisch Gladbach. Sein Berufsweg ist eher ungewöhnlich. Nach dem Realschulabschluss macht er zunächst eine Ausbildung im Supermarkt zum Einzelhandelskaufmann und später zum staatlich geprüften Betriebswirt. Erst danach machte er das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg und startete mit 30 Jahren das Jurastudium in Köln. In der CDU ist er seit 1972. Er ist verheiratet und hat drei Töchter, von denen eine (Caroline Bosbach) selbst seit 2025 im Bundestag sitzt. Bosbach ist nach wie vor gern gesehener Gast in Polit-Talkshows, Redner, Golfspieler, Großvater und übt diverse Ehrenämter im sozialen Bereich aus. Zur Person NEWS DACH 3/25 3 mobilbranche, Energiekrise, Krieg in der Ukraine und vieles mehr. Hier muss sicherlich ein Umdenken stattfinden. Work-Life Balance, wie sie im Moment gesehen wird, führt uns sicherlich nicht zum Ziel. Grundwerte, wie Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Freundlichkeit, Loyalität, Fleiß, Zielstrebigkeit und Teamfähigkeit waren Attribute, die Deutschland stark gemacht haben. Heute fehlt es häufig hieran”, mahnt Edgar Juras. Allerdings sei die Bedachungsbranche, so Juras, weiter aktuell sehr stark mit der Sanierung ausgelastet. Die Arbeit könne vor allem in den Ballungszentren wie Essen kaum bewältigt werden. Gründe hierfür seien der Fachkräftemangel, aber auch die fehlende Bereitschaft zur Mehrarbeit mit Überstunden, und Samstagsarbeit. Viel Potenzial sieht Juras fürs Essener Dachhandwerk und die Region in dem lang geplanten Objekt „Essen 51“, das in 2026 gestartet werden soll. In dem neu zu bauenden Stadtquartier sollen in den kommenden 10 Jahren rund 1.700 Wohnungen entstehen. Noch mehr Service-Power Bei Heinrich Obers ist man jedenfalls vorbereitet auf diese und andere neue Herausforderungen. “Unsere Stärke in Richtung Handwerk sehe ich in der Nähe und dem persönlichen Kontakt. Wir kennen unsere Kunden persönlich. Der Kunde ist nicht nur eine Nummer. Aufgrund der Größe unseres Unternehmens haben wir kurze Entscheidungswege”, betont Edgar Juras die Stärken seines Unternehmens für Handwerkskunden. Ganz aktuell heißt das z. B. die Ausweitung des ohnehin schon breiten Fuhrparks mit einem DAF-26 Tonner LKW mit Mitnahmestapler (siehe Bild oben). Hinzu kommt die Erweiterung des Maschinenparks mit einer Striebig Vertikal-Plattensäge, einer SchechtlTafelblechschere, einer SchechtlSchwenkbiegemaschine in vier Meter und einer Jorns-Schwenkbiegemaschine. “Fürs Handwerk macht uns das zu einem noch leistungsfähigeren und flexibleren Partner“, unterstreicht Juras die Neuanschaffungen. Die neue Striebig Wandsäge erweitert den Maschinenpark des Essener Großhandels ebenso wie die Schechtl-Schwenkbiegemaschine in 3 Meter. Nachfolgelösung gefunden: Mittelfristig wird Edgar Juras (links) die Geschäftsführung der Heinrich Obers GmbH an seine Tochter Coralie Juras und an ihren Schwager Christian Jürißen übergeben. Ergänzend kommt auch die Erweiterung der Lagerfläche durch ein nur 500 Meter entferntes neues Außenlager hinzu, die Schaffung von neuen Büroarbeitsplätzen sowie der jetzt kürzlich entstandene neue Besprechungsraum mit neuen Hallenflächen direkt gegenüberliegend in der Sabinastraße 30. Nachfolgelösung gefunden Besonders stolz ist Edgar Juras auch, eine Lösung für eine Nachfolgeregelung im Unternehmen gefunden zu haben. Tochter Coralie Juras und Schwiegersohn Christian Jürißen werden sich der Herausforderung der Selbstständigkeit stellen. Beide werden die Heinrich Obers GmbH mittelfristig übernehmen und sind auch schon heute erfolgreich im Unternehmen tätig. “Ein Verkauf des Unternehmens und meines Lebenswerkes ist also vom Tisch”, erklärt Edgar Juras erleichtert. Gleichzeitig wendet er sich an seine Kunden mit der Bitte, der kommenden Generation das gehabte Vertrauen weiter zu schenken. Zudem bedankt sich Juras anlässlich des Jubiläums für die Zusammenarbeit mit der FDF Kooperation: “Als Gründungsmitglied bin ich heute noch im Beirat der FDF tätig. Ich habe die Kooperation immer gelebt. Eine Kooperation auf Augenhöhe mit vielen gleichgesinnten Menschen, bei denen sich im Laufe der Jahre Freundschaften gebildet haben. Ich habe in all den Jahren keine Gesellschafterversammlung ausgelassen und freue mich stets auf jedes Zusammentreffen”, meint Juras und fügt hinzu: “Ohne die FDF wären wir nicht dort, wo wir heute stehen.” Insgesamt blickt der Dachbaustoffhandel Heinrich Obers bereits auf 106 Jahre Firmengeschichte zurück. Die letzten 30 Jahre davon an der Sabinastraße in Essen. Der geschäftsführende Gesellschafter Edgar Juras kam 1986 ins Unternehmen, seit 2005 ist er Alleingesellschafter. Über den 30 Jahre zurückliegenden Umzug an die Sabinastraße sagt Edgar Juras heute: “Wir konnten zunächst so einziehen, ohne große bauliche Veränderungen vornehmen zu müssen. Viele Umbauten wurden erst danach in Eigenarbeit nach dem offiziellen Geschäftsschluss geleistet. Zum Teil bis 4 Uhr in der Früh. Wobei wir um 7 Uhr alle wieder auf der Arbeit waren – heutzutage kaum vorstellbar.” So wurden die Gebäude und das Lager an der Sabinastraße nach und nach instandgesetzt bzw. umgebaut. Die notwendigen Investitionen seien über mehrere Jahre verteilt worden. Ein Erfolgsrezept dabei erklärt Juras so: “Ich habe stets das Ziel verfolgt, bei allen Investitionen eine möglichst hohe Eigenkapitalquote einzubringen. So bin ich heute froh, nahezu bankenunabhängig zu sein.” Bedanken will Juras sich an erster Stelle für die Leistungen seiner Mitarbeiter in diesen 30 Jahren: “Ohne mein Team wäre ich nicht soweit gekommen”, betont er zum Jubiläum an der Sabinastraße. Sorgen bereitet dem Unternehmer allerdings die aktuelle Konjunkturlage: “Massiver Stellenabbau, Probleme in der AutoDer Dachbaustoffhandel Heinrich Obers aus Essen feierte Ende September mit rund 200 Gästen aus Dachhandwerk und Branche das 30-jährige Jubiläum am Standort in der Sabinastraße. Pünktlich dazu glänzt der Essener Großhandel mit neuen Serviceleistungen fürs Handwerk. Heinrich Obers feiert Jubiläum in Essen Über 200 Gäste feierten Ende September 30 Jahre Heinrich Obers in der Sabinastraße in Essen.
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