FDF DachNews - Ausgabe 2/2019

58°59'14"N, 6°20'33"E. So lauten die Koordi- naten der Skåpet Touristen-Lodges, die der norwegische Wanderverein (Den Norske Turistforening, DNT) am Soddatjørna, einem See im Süden Norwegens, in der Nähe des Ortes Forsand hat errichten lassen. Das mar- kante Ensemble erinnert an ein Dorf in den Bergen und ist für Selbstversorger konzipiert. Es besteht aus einem teilweise zweigeschossi- gen Hauptgebäude mit Aufenthaltsraum, Gemeinschaftsküche und elf Schlafplätzen, fünf zweigeschossigen Schlaflodges mit jeweils fünf Betten, einem Toilettengebäude mit Abstellraum und einer Sauna. Kennzeichen der Lodges sind die Dach- und Fassadengestal- tung aus Titanzink, die mit Holz verkleideten Eingangsbereiche und die Panoramafenster, die viel Tageslicht in das Innere lassen und Ausblicke auf die atemberaubende Landschaft und den See erlauben. Die Ausstattung ist einfach und zweckmäßig. Eine Stromversorgung gibt es nicht, das Was- ser entnehmen die Nutzer aus dem See. Der Küchenbereich ist mit zwei Gasherden zum Kochen und einem Solarpanel für die Beleuch- tung ausgestattet. Für die Beheizung stehen im Hauptgebäude, in den Schlaflodges und in der Sauna Holzöfen zur Verfügung. Waschen kön- nen sich die Wanderer im Saunagebäude, das mit einer Außendusche direkt über einem Gebirgsbach kombiniert ist. Wie bei allen Selbstversorgerhütten: Bevor die Trekking- Touristen die Lodges verlassen, füllen sie die Verpflegung aus eigenen Beständen auf, suchen Brennholz und machen sauber. Vorgefertigte Elemente für die Gebäude Für den Entwurf der Skåpet Touristen-Lodges zeichnen KOKO architects aus Tallin (Estland) verantwortlich. Sie hatten sich an demWettbe- werb beteiligt, den der DNT zum Bau von Selbstversorger-Berghütten für den Wander- weg um den Lysefjord und an den felsigen Ufern des Soddatjørna-Bergsees ausgelobt hat- te. Der Standort – fern von Straßen und Zivili- sation – erforderte einige Besonderheiten. So sahen die Wettbewerbskriterien unter anderem einfache und leicht zu wartende Gebäude vor. Sie sollten zudem aus vorgefertigten Modulen bestehen, um wegen der unvorhersehbaren Wetterbedingungen und der Unzugänglichkeit des Geländes kurze Bauzeiten zu realisieren. KOKO architects nahmen die Herausforderung an und entwickelten Raummodule aus Holz, die – weitestgehend vormontiert – per Hub- schrauber an den Soddatjørna-See transportiert und dort auf im Boden verankerte Stahlstützen gestellt und befestigt wurden. Charakteristisches und zugleich verbindendes Element der Lodges sind die Dächer und Fas- saden. Die Architekten entschieden sich für das Titanzink der RHEINZINK GmbH & Co. KG, Datteln, denn dieses Material ist durch die schützende Patina wartungsfrei und widersteht jahrzehntelang Wind und Schnee. Das Dattel- ner Unternehmen stellt das Titanzink in drei Oberflächenqualitäten her: prePatina schiefer- grau, prePatina blaugrau und Classic walz- blank. Bei der Qualität Classic walzblank bil- det sich die Patina durch Witterungseinflüsse von selbst. Die Qualitäten prePatina schiefer- grau und prePatina blaugrau hingegen erhalten durch ein spezielles Beizverfahren bereits von Anfang an den Farbton, der sich durch die natürliche Bewitterung ohnehin bilden würde. Die Fähigkeit, die schützende Patina zu bilden, bleibt dabei vollständig erhalten. Für die acht Gebäude der Skåpet Touristen- Lodges wählten die Architekten die Oberflä- chenqualität prePatina schiefergrau. Um sicherzustellen, dass die äußere Hülle auf dem Transport nicht beschädigt wird und den in den Bergen besonders wichtigen Witterungsschutz zuverlässig erfüllt, wurde das Titanzink vor Ort zugeschnitten, gefalzt und befestigt. Die Lie Blikk AS, die mit den Dach- und Fassadenar- beiten beauftragt worden ist, ließ die Coils, ein Stromaggregat sowie sämtliche Werkzeuge und Maschinen, die für die Produktion benötigt wurden, mit Hubschraubern an den Soddatjør- na fliegen. Für die Arbeit vor Ort errichtete das Unternehmen ein Zelt, das als provisorische Werkstatt diente. Die Ausführung übernahmen Mitarbeiter, die über Trekking- und Outdoor- Erfahrungen verfügen und selber durch die Berge wandern. „Für die Bekleidung haben wir das Titanzink mit einemAchsmaß von 600 mm verarbeitet“, erklärt Lie Blikk AS-Mitarbeiter Hege Hopen. Dadurch sind die Oberflächen nicht ganz eben und wirken – wie ihre Umgebung – ursprüng- lich und rustikal. Zuschnitt, Falzen und Mon- tage der Scharen gestalteten sich unkompliziert und erfolgten nach bewährten Techniken. „Unkonventionell und einzigartig sind die For- men der Gebäude und natürlich der Standort. Die eigentliche Herausforderung aber war das Wetter. Wir arbeiteten neun Wochen vor Ort und in diesen neun Wochen gab es nur fünf regenfreie Tage. Wir hatten also viel damit zu tun, die Stimmung und die Motivation trotz des schlechten Wetters aufrecht zu erhalten.“ Unterschiedliche Dachformen Der Grundriss des Hauptgebäudes erinnert an ein Kreuz. Durch die damit verbundene Glie- derung soll er den Kontakt und das Miteinan- der unterschiedlicher Trekking-Gruppen för- dern und gleichzeitig Ruhezonen schaffen. Bei den Schlaflodges und dem Toilettengebäude handelt es sich um schlichte, kabinenartige Häuser und beim Saunahaus kombiniert der Grundriss die innere Nutzung mit der Topogra- fie des Geländes. Entsprechend differenziert sind die Dachformen. Die Schlaflodges und das Toilettengebäude haben Pultdächer, das Saunagebäude eine Kombination von Sattel- und Pultdach. Die Pultdächer der Kabinenhäu- ser ragen über den Eingangsbereichen über das Gebäude hinaus und bieten so zusätzlichen Witterungsschutz. Firstblenden überdecken und schützen den oberen Fassadenabschluss und schaffen einen sauberen Übergang. Auf der niedrigeren Seite sorgt eine verdeckt lie- gende Rinne für den zuverlässigen Ablauf des Regenwassers. Das Haupthaus ist mit einem Schmetterlings- dach gedeckt. Es weist dreieckige und trapez- förmige Bereiche sowie nach innen geneigte Dachflächen auf. Bei den nach innen geneigten Dachflächen leiten als Rinnen ausgebildete Kehlen das Regenwasser ab, bei den Satteldä- chern bilden Grate mit Leisten und Abdeck- kappen den oberen Abschluss. Wie bei den Schlaflodges bilden auch beim Haupthaus Firstblenden den Übergang zu den Fassaden. „Wenn man von den Bergen auf das Ensemble schaut, nimmt man die unterschiedlichen Lichtreflexionen wahr, die durch die unter- schiedlichen Formen und Neigungen der Titan- zinkdächer entstehen. Aus dieser Perspektive werden die Dächer wirklich zur fünften Fassa- de der Gebäude“, erzählt Hege Hopen. Für Trekking-Fans gibt es in Norwegen südlich des Lysefjords die Skåpet Touristen-Lodges. Sie liegen weit entfernt von Straßen und sind nur zu Fuß erreichbar. Für ihren Bau wurden die Gebäudemodu- le mit Hubschraubern angeliefert. Ebenso die Coils für Dach- und Fassadenbekleidung aus Titanzink sowie die Maschinen und Werkzeuge. Zuschnitt und Falzen erfolgten vor Ort in einem Werkstattzelt. Titanzink per Hubschrauber Trekking-Hütten in Norwegen 10 Bautechnik Montiert wurden die Schare auf folgendem Aufbau (von innen nach außen): 12 mm Holzwerkstoffplatten, Holzrahmenkonstruk- tion mit 200 mm Dämmung, Windsperre, 38 mm Hinterlüftung, 23 mm dicke Brettholz- schalung imAbstand von 10 mm verlegt die- nen als Unterkonstruktion für die 0,8 mm starken Titanzinkschare. Auf dem Dach kam zusätzlich eine strukturierte Trennlage zum Einsatz. Für die Verlegung der Schare kamen die bewährten Standardtechniken zum Einsatz: Winkelstehfalztechnik bei den Fassaden, Doppelstehfalztechnik bei den Dächern und die verdeckte Befestigung mit Fest- und Schiebehaften aus Edelstahl. Lochstreifen im Sockel-, Trauf- und Firstbe- reich schützen den Hinterlüftungsraum vor dem Eindringen von Kleintieren und gewährleisten den erforderlichen Lüftungs- querschnitt. Entsprechende Abdeckungen bzw. Firstblenden schützen die Konstruktion zuverlässig vor Wind und Wetter. 3,7 t Titanzink der Oberflächenqualität pre- Patina schiefergrau haben die Mitarbeiter von Lie Blikk AS bei den Skåpet Touristen- Lodges verarbeitet, davon 2,2 t für die Fas- saden (ca. 336 m²) und 1,5 t für die Dachflä- chen (ca. 224 m²).

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