FDF DachNews - Ausgabe 3/2019

Das in den 1880er Jahren errichtete Gut Obing ist ein monumentaler Vierseithof, der mit seiner einheitlichen klassizistischen Gestaltung architektonisch außerordentlich überzeugend wirkt. Der Zimmerer- und Bau- meister Josef Wimmer hat aber nicht nur groß und ästhetisch anspruchsvoll, sondern offenbar auch sehr solide gebaut: Das Gebäude blieb mit nur wenigen Veränderun- gen über rund 130 Jahre weitgehend in ori- ginaler Form erhalten. Das eröffnete für den jetzigen Eigentümer und Bauherrn die Mög- lichkeit, Gut Obing zu 37 hochwertigen Eigentumswohnungen umzubauen, die sich einerseits behutsam und respektvoll in die heute denkmalgeschützte Bausubstanz ein- fügen, andererseits aber den Ansprüchen und Funktionen des zeitgemäßen Wohnens gerecht werden. Eine Schlüsselrolle in diesem Umbaukon- zept nimmt das Dach ein, bei dem die ursprünglichen verzinkten Stahlbleche durch Rheinzink-Titanzink in handwerksgerechter Doppelstehfalzdeckung ersetzt wurden. Die Ertüchtigung des Dachstuhls und der Dach- ausbau nach modernen bauphysikalischen Erkenntnissen ermöglichte die Nutzung des früheren Speichers als Wohnräume. Gleich- zeitig wurde das neue Dach genutzt, um die modernen Wohnformen mit denAnforderun- gen des Denkmalschutzes in Einklang zu bringen: Während die jeweils äußeren Dach- hälften des Vierseithofes überwiegend unge- stört und glatt das historische Bild reprodu- zieren, liegen die meisten neuzeitlichen tech- nischen Einbauten wie Dachfenster, Dach- loggien oder Entlüfter auf der nicht von außen einsehbaren Hofseite der Dächer. Wer sich Gut Obing heute nähert, erlebt mit den stilvoll sanierten Fassaden und dem homo- genen Dach dadurch in etwa den imposanten Anblick aus der Erbauungszeit. Praxisnahe Beratung vor Ort Die Ertüchtigung des Dachstuhls und den Neuaufbau des Titanzinkdachs führte die Schneider M. GmbH aus Aschau am Inn aus. Firmenchef und Dachdeckermeister Michael Schneider eröffnete seinen Betrieb 1995 zunächst als Gerüstbauunternehmen und erweiterte ihn später um die Zimmerei und Dachdeckerei. Erst ab 2007 baute der Bruder des Gründers, Spenglermeister Markus Schneider, die Spenglerei auf. Als dritter Bruder übernahm Klemens Schneider 2009 den Bereich Zimmerei und Dachdeckerei. Das Unternehmen hat seine Ursprünge also vor allem im Gerüst- und Holzbau, konnte aber trotzdem die anspruchsvollen Spengler- arbeiten auf dem Dach von Gut Obing erfolgreich übernehmen. Neben der Kompe- tenz, die die Gebrüder Schneider dafür lang- fristig und vorausschauend im Unternehmen aufgebaut haben, profitierte die Firma auch von der umfassenden Unterstützung des Titanzinkherstellers. Dazu gehörte zum einen der intensive Aus- tausch zwischen dem Rheinzink-Handwerk- erberater und DDM Felix Mutschlechner, der das Projekt bei der Firma Schneider verant- wortete und leitete. Immer wieder wurden bei gemeinsamen Baustellenbegehungen Ausführungsdetails diskutiert und fachge- rechte Lösungen gefunden. Zusätzlich unter- stützte der Lehrverleger Heiko Küchenmeister für drei komplette Tage die Spenglerarbeiten. Gemeinsam mit DDM Felix Mutschlechner arbeitete er an besonders kniffligen Anschluss- details und demonstrierte fachgerechte Lösun- gen. „Das Dach hat mit rund 20° nur eine flache Neigung, dabei aber mit etwa 9,25 m vom First bis zur Traufe eine relativ große Länge“, erin- nert sich Felix Mutschlechner an den Beginn der gemeinsamen Arbeit. „Darum haben wir mit dem Lehrverleger vor allem über die kor- rekte Berücksichtigung der Dehnung gespro- chen und speziell unter diesemAspekt die Auf- teilung der Fest- und Schiebehafte sowie die fachgerechtenAnschlüsse entwickelt. Während es auf der glattenAußenseite vor allem um eine optisch gleichmäßige Aufteilung der Schar- breiten ging, mussten auf der Innenseite relativ viele Dacheinbauten berücksichtigt werden. Für jedes Dachfenster und jede Loggia galt es Dacheinteilungen und Anschlüsse zu finden, die ein harmonisches Bild ergeben, dabei aber allen Fachregeln entsprechen und sich auch handwerklich ausführen lassen. Bei solchen Fragen hilft ein Praktiker vor Ort natürlich viel mehr als nur eine zur Verfügung gestellte Zeichnung.“ Mit Zusatzfalz und Pultdachfirst Ausgangspunkt der Arbeiten war nach dem Rückbau der vorherigen verzinkten Stahlble- che die alte, vermutlich noch aus den 1880er Jahren stammende Holzschalung, die punktuell ausgebessert, ansonsten aber erhalten wurde. Der Innenausbau samt der Wärmedämmung konnte darum unabhängig von den Arbeiten auf dem Dach ausgeführt werden. Oberhalb der historischen Schalung bauten die Dachde- cker mit Vordeckbahn und Lattung eine zweite und zusätzliche 24er Rauhspundschalung auf, die die Entlüftung nach heutigen Fachregeln sicherstellt. Auf der neuen Schalung wurde die Struktur- matte Rheinzink AIR-Z verlegt, die feuchtig- keitsausgleichend wirkt und vor allem die Gleitfähigkeit langer Schare verbessert. Die Schare bestehen aus 0,7 mm dickem walzblan- ken Rheinzink-Titanzink, das auf dem Dach im Laufe der Zeit die typisch blaugraue Patina bil- det. Die Firma Schneider arbeitete überwie- gend mit 670 mm breiten Bändern, die auf der Baustelle und teilweise sogar auf dem Gerüst zu Scharen zwischen 300 und 600 mm profi- liert oder gekantet wurden. Die maximale Scharlänge betrug 9,25 m, die aber nur in wenigen Fällen tatsächlich auftrat. Denn selbst auf der ungestörten Außenseite hatte die Denkmalpflege als Assoziation an frühere Tafeldeckungen mehrere Horizontaltei- lungen verlangt, auch wenn sie konstruktiv nicht erforderlich gewesen wären. Wegen der geringen Dachneigung wurden alle Querstöße als Einfachfalz mit Zusatzfalz ausgeführt. Diese Sorgfalt war auch an den Kehlen zu beachten. Die Fassade enthält als strukturieren- de Elemente verschiedene Giebel, die natürlich erhalten blieben und eigene Teildachflächen ausbildeten. Dadurch stieg die herzustellende Auf einem beeindruckenden Vierseithof im Chiem- gau wurden rund 2.400 m² Dachfläche mit Titan- zink in Stehfalzdeckung denkmalgerecht erneuert. Fachgerechte Lösungen für die Schareinteilung, die Anschlüsse und den Dehnungsausgleich entwickel- te der Dachdecker in enger Zusammenarbeit mit dem Handwerkerberater und einem Lehrverleger des Titanzinkherstellers. Kehllänge deutlich an, mit der zusätzlichen Erschwernis, dass diese Details noch einmal eine deutlich geringere Neigung als die Hauptdachflächen aufwiesen. Wie schon die Querstöße weisen auch die unterlegten Keh- len darum alle einen Zusatzfalz auf. Eine besonders spannende Ausführung gelang am First, die Felix Mutschlechner erklärt: „Wir haben ihn nicht als Satteldach-, sondern als Pultdachfirst gestaltet. Denn bei der Satteldachvariante, die die Dachform eigentlich vorgegeben hätte, wäre es zu optisch sehr auffälligen Firstabschlüssen gekommen. Mit dem gewählten Pultdachfirst befinden sich die Entlüftungsöffnungen ver- deckt auf der Innenseite zum Hof und in der Außenansicht wird der Anblick nicht durch markante Firsthauben beeinträchtigt.“ Handwerkliche Ausführung im System Auch die neuzeitlichen Dunstrohre konnten bei dieser Firstgestaltung sehr unauffällig in das Dach integriert werden. Sie befinden sich alle auf einer Höhe, was schon für sich allein zu einer optischen Beruhigung führt. Unter- stützt wird die dezente Erscheinung durch die von den Dachdeckern materialgleich aus Titanzink hergestellten Schäfte, auch „Stie- fel“ genannt, auf denen sich systemzugehöri- ge Hauben von Rheinzink befinden. Auch die Einfassungen einiger historischer Schorn- Titanzink-Dach für Gut Obing steinköpfe sowie die Dachentwässerung mit halbrunden vorgehängten Rinnen bestehen aus walzblankem Rheinzink-Titanzink, was den geschlossenen Eindruck der Dachland- schaft abrundet. „Unserem Rheinzink-Team hat dieses anspruchsvolle Projekt einiges abverlangt, aber auch viel Spaß gemacht“, zieht Lehrver- leger Heiko Küchenmeister sein Resümee. „Möglich wurde der Erfolg auch, weil die Fir- ma Schneider komplett im einmal gewählten System geblieben ist. Das Titanzink und die Haften stammen ebenso aus einer Hand, wie die Trennlagen oder die Dachentwässerung. Dadurch entsprechen alle Dachbestandteile unseren Qualitätsvorgaben und sind aufeinan- der abgestimmt, sodass wir auf einen solchen Aufbau auch eine vierzigjährige Garantie geben können, wobei die tatsächliche Stand- zeit durchaus 100 Jahre und mehr betragen kann.“ Angesichts des langlebigen Materials Titan- zink, der engen Zusammenarbeit mit dem Industriepartner und der fachgerechten Aus- führung durch Felix Mutschlechner und sein Team setzt das neue Dach von Gut Obing also nicht nur die historische Form des Vorgängers fort, sondern auch seine Solidität und jahr- zehntelange Nutzungsmöglichkeit. Neue Flachdachdämmung aus Glaswolle von Isover Erstmals in 2019 stellte ISOVER ein neuarti- ges Flachdachsystem vor, das nichtbrennbare Glaswolle-Lamellen mit einer Decklage aus Steinwolle kombiniert. Das System weist mit 70 kPa eine äußerst hohe, durchgängige Druckspannung im Gesamtaufbau auf, ist also vollständig begehbar. Gleichzeitig zeichnet sich die Glaswolle durch ein geringes Gewicht selbst bei hohen Dämmstärken aus. Sie ist ein- fach zu konfektionieren und zu verlegen, eig- net sich also auch für kleine Dachflächen oder komplexe Dachgeometrien. Ergänzt wird das neue Flachdachsystem durch die innovative Feuchte- und Temperaturüberwachung ISO- VER Roof Protector, die ein zusätzliches Plus an Sicherheit bietet. Das neue Flachdachsystem aus Glaswolle mit Steinwolle-Decklage ist ein normkonformes, geprüftes Produkt, für dessen Verwendung kei- ne weitere Zulassung benötigt wird. Durch das niedrige Flächengewicht der Glaswolle-Lamel- len können problemlos hohe Dämmstärken mit entsprechender Dämmwirkung realisiert wer- den. Gleichzeitig lassen sich durch die Nicht- brennbarkeit auch vorgegebene Brandschutz- anforderungen problemlos erfüllen. Entspre- chend empfiehlt sich das System als leicht zu verarbeitende Alternative zu üblichen Stein- wolle-Lösungen. Die besondere Druckfestig- keit der Glaswolle-Lamellen resultiert aus der durchgängigen, nicht nur in der Steinwolle- Decklage sichergestellten, Druckspannung von 70 kPa. 1/19 KLEMPNER 8 N EWS D ACH 3/19 Foto: Schneider M. GmbH Detail eines Sanitärentlüfters, der sich mit seiner handwerklichenAusführung unauffällig in die Dach- landschaft einfügt. Bild oben: Während links noch Reste der alten Stahlbleche zu sehen sind, wird rechts mit der Vor- deckbahn und Lattung bereits die zweite und zusätzliche Rauhspundschalung für die Hinter- lüftung vorbereitet.

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