FDF DachNews - Ausgabe 2/2017

Müssen sich Hausbesitzer, Planer, Dach- decker und Zimmerer in einer Gegend, in der noch nie ein Sturm aufgekommen ist, um das Thema Sturmsicherung küm- mern? Wecker: Wir alle erleben hautnah, dass sich das Klima im Wandel befindet. Eine Folge sind Stürme in Gegenden, die früher nicht betroffen gewesen sind. Aus diesem Grund müssen laut der deutschen Fachregel und dem europäischen Eurocode in allen Windzonen Teilflächen von Steildächern mit Sturmklammern gesichert werden. Diese mind. korrosionsgeschützten Metall-Klammern fixieren die Dachpfannen auf der Traglattung, um somit das Abheben der Pfannen bei starkem Windsog zu verhindern. Daher stammt der Begriff „professionelle Windsogsicherung“, bei Haus- besitzern ist aber vermutlich „Sturmsicherung“ bekannter. Wie sieht es mit den gesetz- lichen Vorschriften bei Dachhandwerkern aus, die eine schriftliche Bestäti- gung vom Bauherrn haben, dass dieser keine Sturmsicherung anbringen lassen will. Sind diese aus dem Schneider? Wecker: Die strafrechtliche Verantwortung bleibt weiterhin als persönliches Risiko beim Handwerker, wir verweisen auf den § 319 des che Bereiche des Daches wie stark gesichert werden müssen. Das Argu- ment, dass die Mehrkosten einer fach- gerechten Befestigung erheblich geringer sind als die Kosten eines Sturmschadens, überzeugt jeden Bau- herrn. Und: Wer richtig sichert, schläft ruhiger – auch in stürmischen Zeiten. Ist wirklich für jedes Haus eine eigene Windsogberechnung notwendig? Das ist doch ziemlich zeitaufwändig und umständlich für die Verarbeiter. Wie sieht es mit Vereinfachungen aus, kann nicht einfach das ganze Dach nach einem Verlegeschema geklammert werden? Wecker: Die Vorteile einer individuellen Berechnung liegen auf der Hand: Eine dreimi- nütige Berechnung kann drei Stunden auf dem Dach ersparen. Auf www.fos.de bieten wir allen Gewerken, die sich zum Thema Wind- sogsicherung informieren möchten, unter- schiedliche Online-Tools an. Die kostenlose professionelle Windsogberechnung liefert in wenigen Minuten alle benötigten Ergebnisse zur Umsetzung am Dach. Durch eine objekt- bezogene, individuelle und detaillierte Berech- nung der benötigten Verlegeschemata und Klammern reduziert sich häufig deren Anzahl. Dadurch spart der Verarbeiter Zeit und Geld. Europaweit werden die unterschiedlichs- ten Dachziegel und -steine verlegt. Auf- grund des Variationsreichtums an For- men der Dachpfannen wird eine unend- lich große Anzahl verschiedener Klam- merformen angeboten – wie soll sich der Dachhandwerker da auskennen? Kann er sich an dieser Stelle das Leben verein- fachen und immer die gleiche Sturm- klammer verwenden? Wecker: Um sicherzustellen, dass die Sturmsi- cherung die Anforderungen der Fachregel und des Eurocodes erfüllt, ist es zwingend erforder- lich, dass die Klammer optimal an der Pfanne sitzt und diese sichert. Auch hierbei hilft die Windsogberechnung auf unserer Internetseite, damit kann die Produktbestimmung schnell und einfach durchgeführt werden. Der Benut- zer erhält durch Eingabe der Dachpfannen- und Gebäudespezifikationen nach wenigen Klicks eine Auswertung, welche Klammern für sein Objekt optimal abgestimmt sind. Strafgesetzbuches zum Thema Baugefährdung und fahrlässige Körperverletzung oder Tötung. Der Handwerker kann sich durch eine Verein- barung mit dem Bauherrn nicht „freizeichnen“, er kann einen solchen Auftrag in seinem eige- nen Interesse nur ablehnen. Befinden sich Verarbeiter, die eine pro- fessionelle Windsogsicherung in ihr Angebot integrieren, nicht im Nachteil gegenüberWettbewerbern, die dies nicht machen und deswegen günstiger anbie- ten können? Wecker: Diesen angeblichen Nachteil kann der Handwerker zu seinem Vorteil machen, indem er die Sturmsicherung als zusätzliche Position anbietet. Zusammen mit einem Hinweis auf die Gesetzeslage und einem beigefügten Ergebnis- blatt der Windsogberechnung für das Objekt unterstreicht er seine Kompetenz als Fach- mann. Das Ergebnis der Windsogberechnung beinhaltet den benötigten Klammertyp, sowie Stückzahl und Verlegeschema der Klammern. Eine bemaßte Skizze verdeutlicht, ob und wel- Beispiel Seiten- falzklammer für Dachziegel von FOS. “Wer richtig sichert, schläft ruhiger - auch in stürmischen Zeiten”, sagt Michael Wecker, Vertriebsleiter des Sturmklammerherstellers Friedrich Ossenberg-Schule (FOS). Im Inter- view sagt er, dass korrekte Windsogsiche- rung am Steildach vielerorts immer noch nicht ernst genug genommen wird und wie Dachdecker Zusatzkosten richtig verkaufen und damit sogar noch punkten können . „Wer richtig sichert, schläft ruhiger” Hintergrund: Um den Verarbeitern und Hausbesitzern die Kosten von Sturmschäden am Dach zu ersparen, hat der Zentralverband des Deut- schen Dachdeckerhandwerks bereits 2011 die Fachregeln verschärft. Die für alle Dachdecker und Zimmerer verbindliche Regel schreibt bei neuen Dacheindeckun- gen den Einsatz von geprüften Sturmklam- mern vor. Obwohl die Gesetzeslage Haus- besitzer, Planer und Verarbeiter in die Pflicht nimmt, Dachpfannen gegen Sturm zu sichern, wird die Notwendigkeit immer noch in Frage gestellt. 16 DACH-TECHNIK

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