FDF DachNews - Ausgabe 3/2017

Burg Hülshoff im Münsterland Burg Hülshoff wurde 1417 Stammsitz der Familie von Droste-Hülshoff und ist ein Kleinod unter den zahlreichen Wasserburgen des Münsterlands. Be- kannt ist es als Heimat der Dichterin Anette von Droste Hülshoff, die hier 1797 geboren wurde. Nun wurden Tei- le des Daches von ortsansässigen Dachhandwerksbetrieben saniert. Herausforderung: Die spätere Nutzung und der Ausbau des Dachraums stan- den noch nicht fest. Seit 2012 ist die Renaissance-Anlage Teil der Annette von Droste-Hülshoff -Stiftung, die in den ehemaligen Wohnräumen der Dichterin ein Museum mit angeschlossener Gastronomie, umgeben von einem weitläufigen Park, betreibt. Umfangreiche Maßnahmen zur Siche- rung und Sanierung des Baudenkmals, sowie die Vorbereitung seiner energetischen Verbes- serung für eine spätere Nutzung als Literatur- und Kulturzentrum, wurden unter Federfüh- rung des Münsteraner Architekten Bernhard Mensen durchgeführt. Die ehemalige Scheune und der eckständige Gärtnerturm bekamen eine neue Dacheindeckung. Eine Herausforderung bestand in einem einbe- tonierten Hühnerstall unter dem Steildach des Scheunendaches aus den 1960er Jahren, dem damit die untere Deckenbalkenlage fehlte. Deshalb, und weil die spätere Nutzung des Dachraums noch nicht feststeht und einem künftigen Wettbewerb vorgehalten ist, durfte Alte Eichenspar- ren und neuere Weichholzspar- ren im Wechsel. die Betonkonstruktion nicht einfach herausge- nommen werden. Es musste also um diesen Betoneinbau herum gebaut werden. Hier muss- ten für eine zukünftige Veränderung der Statik Spannschlösser vorgesehen werde, um das Sparrendach funktionsfähig zu halten. Der Dachstuhl oberhalb des Betons bestand aus einer Mischkonstruktion. Die Hauptspar- renpaare waren aus Eiche, die zwischengestell- ten Sparren aus Nadelhölzern, die in vielen verschiedenen Querschnitten und Längen über die Jahre als Stückwerk zusammengezimmert wurden. Die ursprünglichen Eichensparrenpaa- re wurden erhalten, das Nadelholz durch KVH- Sparren ersetzt, also etwa die Hälfte des Dach- stuhls erneuert. Beim Unterdach entschied sichArchitekt Men- sen aus denkmalrechtlichen und bauphysikali- schen Gründen für Holzweichfaserplatten und gegen eine Unterspannbahn in Form einer dif- fusionsoffenen Folie. Darauf erfolgte der Dach- aufbau mit einer 4 cm starken Konterlattung als Hinterlüftungsebene, Lattung sowie die Einde- ckung mit dem Nelskamp-Hohlfalzziegell H 15. In Abhängigkeit von der weiteren Verwen- dung des Raumes kann die Balkenlage später gedämmt werden, wofür die Weichfaserplatten als ideale Grundlage zur Gegendämmung die- nen. Mit dem so erstellten Dach sind alle Optio- nen des weiteren Dachausbaus gesichert und auch die Statik der erneuerten Sparren lassen hier alle Ausbaumöglichkeiten zu, um nach einer Herausnahme der Betonkonstruktion die Innendachflächen verkleiden zu können. Bei der Eindeckung entschied Architekt Men- sen, den Nelskamp-Hohlfalzziegel H 15, natur- rot schwach reduziert, einzusetzen. Es handelt sich um einen Ziegel, der mit einem Gerad- schnitt versehen ist und der sehr nah an die his- torischen Vorlagen heranreicht. „Denn“, so Mensen, „am Haupthaus der Burg Hülshoff haben wir einen traditionellen Koh- lebrand verbaut. Eine Eindeckung der Vorburg, wie an der Hauptburg geschehen, kam aus brandschutzrechtlichen Gründen nicht in Frage (Strohdocken). Um ein einheitliches Erschei- nungsbild zu erreichen, entschieden wir uns für den Hohlfalzziegel H 15, der in seinem Farb- spiel dem historischen Kohlebrand sehr nahe kommt. Der H15 ist derart ausgetüftelt herge- stellt, dass er dem traditionellen Kohlebrand sehr nahe kommt. Das wird durch einen Reduktionsbrand erreicht, durch den bereits der einzelne Ziegel ein Farbspiel hat, entspre- chend dem traditionel- len Kohlebrand. Nels- kamp ist mit seinen traditionellen Brenn- öfen am Niederrhein in der Lage, solche Dachziegel herzustel- len. Es gab verschie- dene Phasen, in denen wir mit den Ergebnis- sen, die aus diesen Bränden geliefert wur- den, hier vor Ort expe- rimentierten. Zusam- men mit Nelskamp sind wir letztlich dann zu dem gekommen, was man jetzt auf dem Dach sieht. Denn die- ser Dachziegel vereint traditionelle Optik mit moderner Technik. Beim H15 tragen auch die Kopf- und die hoch liegenden Längs- falze zur Anmutung einer geschwungenen, lebendigen Dachfläche bei.“ „Der Hohlfalzziegel H15 erfüllt nicht nur die denkmalschutzrechtlichen Auflagen. Er ist auch zügig zu verarbeiten, denn breite Ver- schiebefalze sorgen für eine schnelle und pro- blemlose Eindeckung“, hebt Zimmerermeister Dominik Pöppelmann, vom ausführenden Dachdeckerunternehmen Kleinwechter & Brö- ker, hervor. Mit Mensen ist sich Pöppelmann auch einig in der Auffassung, dass Gutes „so wie früher“ entstehe, wenn mit dem Material auch so gearbeitet werde wie damals. Dachsanierung für das Schloss der Dichterin Die Hühnerstall- Betondecke unter dem Dach. Die Wahl des Dachziegels fiel auf den Nels- kamp-Hohlfalz- ziegel H15 in naturrot, schwach redu- ziert. Der Reduktions- brand bildet ein lebendiges Deck- bild. Es ist sehr nahe am histori- schen Vorbild des Kohle- brands. Bilder: Kleinwechter & Bröker, Havixbek Bautafel Objekt: Burg Hülshoff, Havixbek/Münster- land Bauherr: Annette von Droste zu Hülshoff Stiftung Dachdeckerei: Kleinwechter & Bröker, Havixbeck Zimmerei: Berdelmann Holzbau GmbH, Lienen Architekt: Bernhard Mensen, Münster Dachziegel: H15 naturrot schwach reduziert Hersteller: Dachziegelwerke Nelskamp, Schermbeck 10

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