FDF DachNews - Ausgabe 1/2018

N EWS D ACH 1/18 11 tisches Prioritätenmanagement, Fehlen einer klaren Zielbeschreibung und manches Mal sogar der Mut, das Thema Zukunftsperspekti- ven überhaupt ernsthaft anzupacken. Beim feh- lenden Geld sind die Erlöse in vielen Unter- nehmen wirklich zu gering, was fast immer ein klares Zeichen der eigenen Leistungsschwäche ist. Denn Kunden sind nur bereit, einen beson- deren Preis – einen für Anbieter gewinnbrin- genden Preis – zu zahlen, wenn auch die Leis- tung für sie einen besonderen Nutzen bietet. Und zum Thema fehlende Lust: Wenn dem Chef die Lust fehlt, wie soll er dann erst seine Mitarbeiter begeistern? Wo brennt es in den Betrieben denn am meisten? Steffen: Die Umsatzrendite ist wegen man- gelhafter Produktivität tatsächlich in vielen Handwerksunternehmen unzureichend, was jedoch oft das Ergebnis einer mangelnden Motivation der Mitarbeiter ist. Die Reibungs- verluste sind infolge holpriger Prozessabläufe oft wirklich hoch, was die Einstandskosten in die Höhe treibt. Dies ist jedoch meist eine Ursache mangelhaften Managements in der zweiten Führungsebene. Zu hohe Warenbe- stände und unnütze Ausgaben belasten zudem das Betriebsergebnis, weil es an klaren Strate- gien, Umsatz- und Kostenplanungen mangelt. Auch dies darf ohne Umschweife als Folge einer Schwäche der Unternehmensleitung bezeichnet werden. Wo ist dann der Ausweg? Steffen: Ein Ausweg wäre eine brauchbare Unternehmensstrategie. Sie ermöglicht voraus- schauendes Handeln, wie ein Schachspieler, der mehrere Züge im Voraus denkt. Diese Stra- tegie muss den Belangen der Mitarbeiter und den Belangen der Unternehmen gleichermaßen gerecht werden. Und zwar so, dass daraus eine Symbiose entsteht, die nachhaltigen Bestand hat. Abwanderung der Mitarbeiter muss ver- hindert, die Motivation erhöht und der Kun- dennutzen gesteigert werden. O.k., hört sich nett an. Aber kann man das echt umsetzen? Steffen: Ja. Auf lokaler Ebene muss man „der Platzhirsch” sein, der das beste Image hat, also den besten Zuspruch von Kunden und Mitar- beitern zu Qualität, Verlässlichkeit und Glaub- würdigkeit erfährt. Einkaufsvolumen, Zahl der Mitarbeiter, Fachkompetenz, aber auch Unter- nehmenskultur wie Werteverständnis, Zielset- zung des Betriebes, Mitarbeiterbeteiligung oder Kundenorientierung sind Einflussfaktoren für unternehmerischen Erfolg, die geplant und systematisch verfolgt werden müssen. Also ist der erfolgreiche Handwerker der ‘local hero’? Steffen: Nicht nur. Es gilt auch die globale Marktsiuation zu beobachten. Heute kann sich kein Unternehmen mehr den globalen Einflüs- sen entziehen. Auch nicht solche, die auf treue Kundenbeziehung in ländlichen Gebieten set- zen oder die glauben, dass ihre Leistungen wei- ter von Menschen erbracht werden müssen, die vor Ort verfügbar sind. Provokant gesagt: Handwerkerdienste bleiben unverzichtbar, aber Handwerksunternehmen nicht. Es sind nicht nur die großen bisher marktbeherrschenden Unternehmen wie Aldi und Lidl, deren Positio- nen von Amazon und Co. angegriffen werden. Nein, es sind auch die kleinen lokal tätigen Handwerksunternehmen, deren Kunden- und Lieferantenbeziehungen sich teils schon heute dramatisch verändern. Auch wenn My Ham- mer, Reuter-Bad bei Sanitär, Thermondo bei der Heizung für viele Handwerksunternehmen (noch) keine Bedrohung darstellen, wäre es “Die Umsatzrendite ist wegen mangelhafter Pro- duktivität in vielen Hand- werksunternehmen unzu- reichend, was jedoch oft das Ergebnis einer man- gelnden Motivation der Mitarbeiter ist.” doch mehr als fahrlässig, die Entwicklung zu unterschätzen. Geben Sie bei den beiden großen Bran- chenthemen “Fachkräftemangel” und Digitalisierung bitte noch ein Statement. Steffen: Das Thema Digitalisierung geht am Handwerk vorbei und wird nicht ernsthaft mit- gestaltet. Wieder nehmen sich Handwerker nicht die Zeit, über die Entwicklungen und Herausforderungen „vorzudenken“. Wieder sind viele nicht bereit oder auch nicht in der Lage, Geld in die Hand zu nehmen, um in die eigene Zukunft zu investieren. Wieder gehen auch die Handwerkerverbände das Thema nicht im Sinne ihrer Mitglieder an. Es besteht die Gefahr, dass an dieser Stelle andere mit ihren Internetportalen und „Digitalen-Service- angeboten“ die Rolle des Auftragsnehmers übernehmen und die Handwerksunternehmen in die Rolle der „Lohnschrauber“ gedrängt werden, wenn viele Handwerksunternehmen weiter tatenlos bleiben. Und der Fachkräftemangel? Steffen: Den Fachkräftemangel halte ich inzwischen viel mehr für eine Chance als eine Krise. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass nur solche Unternehmen die Zukunft meistern werden, die taugliche Konzepte besitzen, mit denen es ihnen gelingt, alle Mitarbeiter für die unternehmerischen Ziele zu begeistern. Ohne diese Begeisterung bleiben alle Unternehmen weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Durch den Fachkräftemangel müssen wir uns genau damit, also den Mitarbeitern beschäftigen und neue Strategien finden. Die Betriebe, die das tun, wird die Krise auf Dauer auch stärker machen.

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