FDF DachNews - Ausgabe 2/2018
14 METALLDACH 15 Wer sich für Wikinger begeistert und ihre Lebensart hautnah erleben will, kommt am Wikinger Museum Haithabu nahe Schleswig nicht vorbei: Besucher können dem echten Wikingerleben zwischen rekonstruierten Wikingerhäusern und einer Landebrücke mit allen Sinnen nachspüren. Das benachbarte Ausstellungsgebäude zeigt sich im Kontrast dazu als außergewöhn- liche Bauskulptur. Lei- der war die kunstvolle Holzkonstruktion un- dicht: Von außen und innen eindringende Feuchtigkeit griff Dachdeckung sowie Holzkonstruktion an und gefährdete die Sta- tik. Die Schäden machten die grundle- gende Sanierung not- wendig. Das Großprojekt wird zu über 50 Pro- zent durch Mittel des Europäischen Landwirt- schaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) mit rund 1,8 Millionen Euro gefördert. Für die Restaurierung mussten die Dachscha- lung und die äußere Holzfassade erneuert und Luftdichtigkeit und Dämmung entscheidend verbessert werden. Für die Runderneuerung wurden einzelne Teile aus dem Tragwerk der Wände und Dächer sowie die gesamte Holz- fassade zurückgebaut. Alleine mit dem Abriss der alten Bleieindeckung waren zehn Mitarbei- ter des Bedachungsunternehmens Rolf Klein- feld GmbH zwei Wochen lang beschäftigt: Sie nahmen insgesamt 70 Tonnen Bleibleche mit einer Stärke von zwei Millimetern ab. Die neue Eindeckung ist stolze 20 Tonnen schwerer, weil sie vorschriftsmäßig mit Blechen von zweieinhalb Millimetern Stärke ausgeführt werden musste. Um nach der Restaurierung ver- gleichbare Schäden zu verhindern, nahm der kon- struktive Holzschutz eine zentrale Rolle im Sanie- rungskonzept ein. Kirchenblei auf‘s Museumsdach Bei der Wahl der neuen Eindeckung kamWalzblei zum Einsatz. Das Metall ist ein traditionsreicher Werkstoff, der schon seit Jahrhunderten für die Bedachung von Sakral- und Repräsentationsbauten eingesetzt wird. Die moderne Architektur greift bewusst auf Walzblei zurück, um Gebäuden eine beson- ders edle Ästhetik zu verleihen. Selbst schwie- rige Konstruktionen sind mit Blei zuverlässig zu bedecken: Seine einzigartige Kaltformbar- keit erlaubt es dem Handwerker, die nötigen Bleche direkt am Objekt zuzuschneiden, zu fal- zen und anzuformen. Das neue Dach in Haithabu wurde in allen Tei- len in Kirchenblei eingedeckt: Flächen, Firste, Rinnen und Traufen. Zum Einsatz kam unter- seitig verzinntes Kirchenblei von Deutschlands führendem Bleihersteller Röhr + Stolberg in einer Stärke von 2,5 Millimetern. Die Zinnbe- schichtung schiebt der korrodierenden Wir- kung von Kondenswasser, schlechter Entlüf- tung und den aggressiven Gerbsäuren mancher Hölzer einen wirkungsvollen Riegel vor. Die Arbeiten im Detail Um die entkleidete Konstruktion vor Wit- terungseinflüssen zu schützen, wurde der gesamte Gebäudekom- plex für die Restaurie- rung des Daches und des Trägerwerkes ein- gehaust. Im ersten Schritt wurde über die Dachkonstruktion mit Dampfbremse und Dämmung ein schüt- zendes Unterdach mit Unterdachbelüftung gebaut, bestehend aus einer Unterdeckplatte über einer luftdichten Bahn. In den Dachkeh- len zwischen den ein- zelnen Gebäuden wur- den breite Aussparun- gen für einen vertieften Wasserlauf gelassen. Hier hinein setzten die Zimmerleute eine koni- sche Holzleiste, die mit einer Kunststofffolie abgedichtet und anschließend mit Bleiblechen belegt wurde. Als erste Bauteile erhielten die Holzständer der Fassade Bleihauben, um sie konstruktiv vor Regen zu schützen. Um die Regenrinne auf der Dachfläche auszuarbeiten wurde eine zehn Zentimeter hohe Holzleiste mit einer Neigung von 80 Grad auf der Dach- fläche befestigt und von der Traufe ausgehend mit Bleiblechen ummantelt. Die weiten Dachflächen wurden in Holzwulst- deckung ausgeführt. Dazu wurden erst Holz- kerne mit einem Abstand von 55 Zentimetern direkt auf die Unterkonstruktion montiert. Zur Stabilisierung des späteren Falzes wurden im Abstand von höchstens 400 Millimetern Hafte Wie die Kiele von sieben dicht beieinander liegenden Wikingerschiffen wirken die Ausstellungsgebäude des Wikinger Museums Haithabu. Die bleigedeckten Holz- häuser aus den 1980er Jahren fügen sich wabenartig aneinander und bilden ein außergewöhnliches Ensem- ble. 2017 wurde der gesamte Komplex kernsaniert. Dabei wurde auch das Dach komplett neu mit Kirchen- blei eingedeckt. Kirchenblei fürs Wikinger Museum auf dem Holzkern befestigt. Über den Holz- wulst wurden jeweils zwei Schare mit einer Länge von 150 Zentimetern miteinander ver- bunden. Dazu werden sie gegeneinander auf- gekantet. Die im Falz außenliegende Aufkan- tung misst etwa 125 Millimeter, die innenlie- gende rund 55 Millimeter. Das innere Blech wurde mit einem Treibholz eng- anliegend bis zum Schei- telpunkt des Holzes herumgeführt. Daraufhin wurden die Hafte, die auf der gegenüberliegenden Seite des Holzes befes- tigt sind, um das Blech herumgelegt. Anschlie- ßend kam das außenlie- gende Blech an die Reihe: Seine Außenkante wurde zunächst umge- schlagen und erst dann um das Holz herumge- führt, so dass es das innere Blech und die Hafte bedeckte. Damit sich das Material bei Hitze ausdehnen kann, wurden die Unterkanten der Schare indirekt per eingehängtem Querstoß und durchlaufend gena- geltem Haftstreifen befestigt. Diese Art der Befestigung ist beson- ders in windexponierten Lagen zu bevorzugen. Die Firste wurden mit 80 Millimeter breiten Belüftungsöffnungen aus- geführt und ebenfalls mit Blei eingefalzt. Ein Kupferblech zwischen Dachfläche und First mit hinreichend großem Lochdurchmesser ver- hindert, dass Kleintiere oder Vögel durch die Öffnung in die Dachkonstruktion eindringen. Die zwei zu verbindenden Schare wurden gegen- einander aufgekantet. Um Raum für thermische Dehnung zu lassen, wurden die Unterkanten der Schare indirekt befestigt, so dass sie sich ausdeh- nen können. Beide aufgekanteten Schare wurden im Treibver- fahren um den Holzkern geklopft. Die Spuren des Werkzeugs erzeugen die für Bleieindeckun- gen charakteristische lebendige Optik. Die Holzwulstdeckung mit Kirchenblei erinnert an die Form eines Schiffsrumpfes, der Grat stellt in dieser Ansicht den Kiel dar. Die Kastenrinne wurde in die Dachfläche eingearbeitet. Die strömungsmechanisch optimierte Firstentlüf- tung ist mit einem Kupfergitter zum Schutz vor Kleintieren versehen. Neuer Nelskamp Solarziegel Hoher Stromertrag und hohe Dachästhetik Ästhetik und Effizienz schließen sich bei Solaranlagen nicht länger aus: Das von Nelskamp neu entwickelte G10 PV-Element sorgt für dauerhafte Stromversorgung von Eigenheimen oder Großobjekten, bei har- monisch-unauffälliger Ästhetik. Die PV- Module bilden mit den Glatt-Ziegeln G 10 eine Einheit, liegen direkt auf der Traglat- tung und bieten so ein einheitliches und ebe- nes Deckbild. Der Bauherr eines Einfamilienhauses in Reck- linghausen ist einer der ersten Anwender des neuen Photovoltaik-Systems von Nelskamp: „Wir haben uns für den Solarziegel von Nels- kamp entschieden, weil der erstens schön bün- dig aussieht – man sieht diese hässlichen Über- gänge nicht wie bei den anderen Dächern mit Aufdachlösungen – und wegen dem hohen Stromertrag. Unser Haushaltsstrombedarf wird zu über 30 Prozent von den Solarziegeln gedeckt.“ Vergleichbare Leistung Die Leistung eines Moduls beträgt 120 Wp, 8,3 Module ergeben 1 kWp. Flächenmäßig kommt der Bauherr für diese 8,3 Module mit 6 bis 6,5 m 2 Fläche aus. Das ist vergleichbar mit norma- len PV-Aufdachmodulen, denn bei den her- kömmlichen Systemen werden ebenfalls min- destens 6 m 2 Fläche benötigt. Vom Ertrag her erzeugen die Module je nach Ausrichtung zwi- schen 750 und 1.100 kWh Strom pro kWp. Bei dem Recklinghausener EFH sind es insgesamt 83 Module mit knapp 10 kWp Leistung, über die drei Dachseiten nach Ost, Süd, West verteilt. Die Module liefern einen prognostizierten Ertrag von ca. 8.000 bis 8.500 kWh. Bei glei- chem Flächenbedarf von 6 bis 6,5 m 2 zur Erzeu- gung von 1 kWp war für den Bauherrn entschei- dend, dass er mit den Solarziegel-Modulen G10 PV zeit-/kostensparend und sogar flächenbün- dig verlegen konnte, ohne Ecken und Kanten und damit ohne Störung der Dachoptik. Schnellere und kostengünstigere Montage Wie bei jeder anderen Standard-PV-Anlage werden zuerst die Stringkabel gelegt und danach erfolgt die Montage der Module. Sie werden mit MC4-Steckern untereinander sowie mit den Stringkabeln verbunden, und dann, ähnlich wie ein ganz normaler G10- Flachziegel, in die Lattung und Seitenverfal- zung eingehängt, um schließlich mit acht Schrauben befestigt zu werden. Das System ist damit voll in die Dachfläche integriert, nicht aufgeständert und es gibt keine Störung der Dachästhetik. Bis zu 1.100 kWh Strom/kWpeak Das G10 PV System verbindet modernes Design und ökologische Nachhaltigkeit mit extrem leistungsfähiger und deshalb gewinn- bringender Technik. Auf dem Dach fällt es erst beim zweiten Blick ins Auge: Denn die über- deckenden G10 PV Elemente liegen wie die Glattziegel, regendicht und flächenbündig, direkt auf der Lattung. Wasserablaufkerben am unteren Rand der Module verstärken die Dach- ziegelanmutung. Das Gesamtdeckbild ist har- monisch – ohne Ecken und Kanten. Ein was- serdichtes Unterdach, wie bei klassischen Indach-PVAnlagen, ist nicht erforderlich. Pro m² Modulfläche erreichen die Module eine maximale Leistung von 167 Wp, d.h. minimal reichen gerade einmal 5,9 m² Modulfläche für 1KWp elektrische Leistung aus. Damit erzielt die Anlage je nach Standort und Lage zwischen 750 und 1.100 kWh Strom pro KWp PV-Leis- tung und erreicht annähernd gleiche Werte wie eine Aufdach-Anlage. Als montagefertige Einheit geliefert ist das G10 PV-Element mit einer Deckbreite von 8 Ziegeln einfach, schnell und sicher im Zuge der Eindeckung zu montieren. Die Deckmaße entsprechen hier dem G10-Standardziegel. Der variable Überdeckungsbereich von +/- 10 mm sorgt für die einheitliche Dach-Einteilung. Vor- gefertigte Kabel mit MC4 Steckern ermögli- chen die montagefreundliche und sichere Ver- bindung. Die Module werden in Deutschland gefertigt und unterliegen strengen Qualitätsan- forderungen für Langlebigkeit und Leistung. Technische Daten G10 PV Modulleistung (Pmax): 120 Wp Nennstrom (Im): 9,23 A Leerlaufspannung (Voc): 16,00 V Kurzschlussstrom (Isc): 9,86 A Maximale Spannung (Vmp): 13,01 V Maximale Systemspannung: 1000 V Temperaturkoeffizient (Voc): - 0,30 %/°C Temperaturkoeffizient (Isc): +0,07 %/°C Temperaturkoeffizient (Pmpp): - 0,38 %/°C Hagelbeständigkeit: nach IEC 61215 + IEC 61730 Zellwirkungsgrad: 18,3 % Modulgewicht: 9,5 kg Modulgröße Deckbreite: 8 Ziegel = 2,00m Modulmaße: 1965 x 350 x 20 mm Decklänge Ziegel u. Modul: 394 mm +/- 10 mm Anschluss Kabelstecker MC4 Kompatibel Solarkabel 2 x 4,0 mm² je 1000 mm lang Nelskamp-Solar-Sortiment: • Das „SolarPowerPack“ ist ein Solar-Dach- pfannen-Kollektor-Wärmepumpensystem. • Das „MS 5 PV“-Modul ist reiner Strom- erzeuger. • „2Power“ und „MS 5 2Power“ sind zwei Kombi-Systeme zur Strom- und Wärmege- winnung in einem Modul. • Neu hinzugekommen ist der Solarziegel G10 PV. • Zudem haben Nelskamp und SySpro Ener- giedächer und Thermowände zu einem Niedrigenergiehaus mit integriertem Wär- mespeicher kombiniert. Diese neue Techno- logiekombination erreicht durch Solar- strom, Sonnenwärme und Speichermöglich- keiten eine autarke Strom-, Wärme-/Klima- und Warmwasserversorgung. SOLARDACH
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