FDF DachNews - Ausgabe 2/2019
KLEMPNER 5 Das denkmalgeschützte Gebäude wurde 1961 von dem Wiesbadener Architekten Rainer Schell entworfen und wird heute als Kunstmu- seum genutzt. Leider erfüllte das Wilhelm- Morgner-Haus die Anforderungen an ein modernes Museum nicht mehr: Es war weder barrierefrei, noch genügte es den energetischen Standards. Vor diesem Hintergrund wurde der Aufzugschacht als neuer, eigenständiger Bau- körper entworfen. Er ragt an der nördlichen Front des Gebäudes wie ein mahnender Zeige- finger senkrecht in den Bereich zwischen Museum und Dom. Hohes Gewicht spielend gehalten Die strenge Geradlinigkeit des Gebäudes bildet einen starken Kontrast zur lebendigen Optik der von Hand angepassten waagerechten Walz- bleiprofile aus dem Hause Röhr + Stolberg, Deutschlands führendem Bleihersteller. Die größte Herausforderung bei der Ausführung der Fassade bestand vor allem darin, ihr großes Gewicht statisch abzufangen – denn allein die Bleihülle wiegt drei Tonnen. Zusätzlich schuf die unregelmäßige Struktur der metallischen Bekleidung ihre ganz eigenen Herausforderun- gen: Die zwischen 20, 30, 40 und 50 Zentime- ter wechselnde Höhe der einzelnen Elemente beanspruchte besondere Sorgfalt an die seitli- chen An- und Abschlüsse. Tiefe Schattenfugen statt erhabener Wulste Die Verkleidung des Aufzugschachtes erfolgte mit Duripaneelplatten, die mit gekantetem Blei eingeformt wurden. Das Erscheinungsbild die- ser Art der Verarbeitung unterscheidet sich fun- damental von der traditionellen Falztechnik: Anstatt der vorstehenden Falze und Wulste beherrschen Schattenfugen die Optik. Als dunkle Linien strukturieren sie die Oberfläche und geben ihr Tiefe. In besonders kniffligen Detailfragen stand den Verantwortlichen zusätzlich der Anwendungs- techniker Jürgen Seifert von der Röhr und Stol- berg GmbH mit Rat zur Seite. Unterkonstruktion mit Tiefgang Der Baukörper des Aufzugschachtes ist eine Betonkonstruktion. Dann folgt die Verklei- dung. Als Unterkonstruktion der Verkleidung wurde entsprechend statischer Berechnungen ein Aluminium-System aus 20 Zentimeter tie- fen Quer- und Längsprofilen eingesetzt. Zwi- schen diesen wurden zur Wärmedämmung 120 Millimeter starke Mineralfaserdämmplatten angebracht. Mit einem Abstand von 40 Milli- metern als Hinterlüftungsebene wurden schließlich zementgebundene Duripaneelplat- ten mit Edelstahlschrauben an der Unterkon- struktion befestigt. Das denkmalgeschützte Wilhelm Morgner Museum in Soest hat einen Anbau erhalten, bei dem sich Tradition und Moderne perfekt ergänzen: Der kom- plett in Blei gekleidete, außenliegende Aufzugschacht spielt gekonnt mit dem historischen Werkstoff, löst seine Schwere durch geschickte Gestaltung auf und setzt ihn in vielschichtige Bezüge zu seiner Umgebung. Drei Tonnen Schwerelosigkeit in Blei Soester Baudenkmal erhält externen Aufzugschacht Großzügige Überlappungen für Witterungsschutz Die Bekleidung der in den Abmessungen unterschiedlich gestalteten Platten wurde mit Walzblei einer Stärke von 2,25 Millimetern aus Tafelware hergestellt. Dabei wurden die gekan- teten Bleche mit großzügiger Überlappung um die Paneele geformt und mit Enkolit daran fest- geklebt. Um eine regensichere Fassade herzu- stellen, wurden die Stöße mit Walzblei unter- legt, entsprechend überlappt und anschließend verfalzt. Für einen ebenmäßigen seit- lichen Abschluss des Turms wurden die Eckausbildun- gen über ein an den Kanten ange- brachtes Eckprofil mit Walzblei getrieben und von den Paneelen mit einer Sichtfuge mit entsprechen- der Überdeckung abgedeckt. Die Walzbleioberflä- che einschließlich aller Überlappun- gen ist zweifach mit Patinaöl behandelt worden, um ein lebendiges, aber nicht fleckiges Bild der Fassade zu erzielen. Die Bleifassade des neuen Aufzugschachtes stellt zahlreiche Bezüge zu seiner Umgebung her. Das Material verbindet Tradition und Moderne und nimmt eine Mittlerposition zwi- schen den Kirchenfenstern des Glaskünstlers Hans Kaiser im Dom und seinen Exponaten im Museum auf. Blei ist schwer und gleichzeitig weich, was es gut formbar macht. Die natürli- che Patina aus Bleicarbonat oder Bleisulfat wirkt zudem wie ein Korrosionsschutz, der widrigen Witterungsbedingungen trotzt. In der Fußgängerzone verweist der Aufzugturm wie ein erhobener Zei- gefinger auf die neue Funktion des Gebäudes als Museum. N EWS D ACH 2/19
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