FDF DachNews - Ausgabe 1/2020

9 INTERVIEW 8 Herr Bauder, zwei Jahre des Führungs- und Generationswechsels bei Bauder sind um. Wie ist der Stand der Dinge? Tim Bauder: Paul-Hermann und Gerhard Bauder haben den Generationswechsel tatsäch- lich und sehr konsequent umgesetzt. Sie sind nicht mehr im operativen Geschäft, wohl aber im Beirat des Unternehmens tätig. Für das neue Führungsteam mit mir, meinen Brüdern Jan und Mark sowie Gerhard Einsele fühlt sich die- ses Vertrauen natürlich gut an und hat Erfolg. Auch alle Mitarbeiter haben diesen Wechsel mitgetragen und erfolgreich begleitet. Insge- samt sehen wir in diesem Konzept des gelebten Familienunternehmens zum Anfassen einen großen Wettbewerbsvorteil für uns und bauen dies z. B. mit dem Programm ‘Leitbild lebt’ für unsere Mitarbeiter derzeit weiter aus. halten werden. Die gute Nachricht für uns kommt aber unmittelbar danach, der Anteil der von uns vertriebenen PU-Dämmstoffen am flachen Dach ist im letzten Jahr weiter gestie- gen. Der Anteil beträgt jetzt etwa 15 Prozent. Vor 5 bis 6 Jahren war das noch in etwa die hal- be Größenordnung, also 6 bis 7 Prozent Markt- anteil für Polyurethan-Dämmstoffe. Insbeson- dere im Industrie-Leichtbau hat dieses Seg- ment gewonnen. Wie stellt sich denn der Markt für Flach- dachabdichtungen dar? Tim Bauder: Hier gibt es keine nennenswer- ten Veränderungen bei den Marktanteilen der Abdichtungsmaterialien. 1/3 der Abdichtungen wird mit Kunststoffbahnen ausgeführt und 2/3 mit Bitumenbahnen. Hier verändert sich im Zeitablauf nicht viel. Mal gibt es ein Jahr, in dem die Kunststoffseite die Nase vorn, im nächsten Jahr dann die Bitumenseite. In der Sanierung findet man allerdings eher Bitumen- bahnen, im Neubau und auf Leichtbaukon- struktionen gibt es dann in der Regel Folien- abdichtungen. Wie entwickelt sich das Gründach? Tim Bauder: Sehr erfreulich. Wir hatten im letzten Jahr zweistelliges Wachstum. Das geht schon seit einigen Jahren Stück für Stück nach oben. Wir erwarten in 2020 weiteres nennens- wertes, also zweistelliges Wachstum. Vor allem beobachten wir, dass der Dachdecker anfängt, sich für dieses Produktsegment zu interessie- ren. Ich habe hier in der letzten Zeit sehr viele Gespräche mit Dachdeckern geführt, die darü- ber nachdenken in die Dachbegrünung einzu- steigen oder im vergangenen Jahr ihre ersten Erfahrungen damit gemacht haben. Was hat sich denn nach so langer Zeit in der Dachbegrünung verändert? Tim Bauder: Ich denke, es sind zwei Fakto- ren, die hier eine Rolle spielen. Zum einen ist die Verfügbarkeit der Gala-Bauer in demMaße nicht mehr gegeben. Hier gibt es eine hohe Auslastung, so dass mancher Dachdecker sagt, das mache ich besser selber. Zum anderen haben sich die Löhne zwischen Dachdecker- handwerk und Gala-Bauern ein Stück weit angeglichen. Die Ausführung für den Dachde- cker ist also durchaus attraktiv. Dem entgegen steht natürlich derzeit der Fachkräftemangel und die gute Auslastung im Dachdeckerhand- werk. Aber der Dachdecker merkt halt, das er mit einem Gründach seine Erträge pro Qua- dratmeter Dach deutlich steigern kann. Also grüner Daumen hoch am Dach? Tim Bauder: Ja, vor allem die Kommunen in Deutschland machen sich Gedanken, wie sie Ausgleichsflächen in den Städten schaffen können. Gerade bei Nachverdichtung in Kom- munen steht man vor dem Problem, dass Abwasserkanäle voll sind. Gründächer sind hier eine hervorragende Lösung. Wie läuft der Steildachbereich? Hier sind Sie ja Marktführer im Bereich der Aufsparrendämmung. Tim Bauder: Erfreulich ist, dass der Markt der PU-Aufsparrendämmung im letzten Jahr zum ersten Mal seit einigen Jahren wieder um etwa 3,5 Prozent gewachsten ist. Hier sind wir für 2020 sehr zuversichtlich. Zum einen haben wir mit BauderECO S hier einen neuen Dämmstoff, zum anderen haben wir das große Glück, dass die Bundesregierung die steuerli- che Förderung nun endlich auf den Weg gebracht hat. Das hilft insbesondere uns, weil diese Förderung an einen u-Wert von 0,14 gebunden ist. Das erfordert entweder große Dämmstoffdicken bei schlechter Wärmeleitfä- higkeitsstufe oder, wenn man schlanke Auf- bauten haben will, kommt man an PU-Dämm- stoffen nicht mehr vorbei. Also große Erwartungen für diese Jahr? Tim Bauder: Wir haben die steuerliche För- derung und den KfW-Zuschuss. Dieser hat sich verdoppelt. Er lag bisher bei 5.000 Euro und liegt nun bei 10.000 Euro pro Maßnahme. Wichtig bei der steuerlichen Förderung ist, dass die Sanierungs-Maßnahme nicht das zu versteuernde Einkommen mindert, sondern sie mindern über die Abschreibungszeit von drei Jahren unmittelbar die Steuer- schuld. Das kann schon einen ordentlichen Investitionsanreiz bedeuten. Dann erwarten Sie weiter gute Zahlen? Tim Bauder: Der Umsatz unse- res Unternehmens ist im letzten Jahr auf 675 Millionen Euro gestiegen. Die Mitarbeiterzahl bewegt sich auf 1.100 zu. Für 2020 sind wir zuversichtlich den Umsatz auf über 700 Millionen zu steigern. Trägt dazu auch Photovoltaik bei? Tim Bauder: In der Photovoltaik geht es verhältnismäßig zäh voran. Wir haben hier ein System für das Flachdach, mit dem wir eine eigene Unterkonstruktion bieten. Damit lassen sich die Module durchdringungsfrei befestigen. Das Problem der Photovoltaik am Flachdach ist aber, dass der Dachdecker hier im Gegen- satz zum Steildach nicht wirklich in den Markt gehen will. Und bei der Zielgruppe der Sola- teure tun wir als Bauder uns eher schwer. Aber auch in diesem Produktsegment haben wir im vergangenen Jahr durchaus große Anlagen installiert. Wir beschäftigen uns mit der Pho- tovoltaik allerdings weniger wegen der Photo- voltaik an sich. Uns geht es darum, dass unter die Module eine vernünftige Dämmung und Abdichtung mit hoher Lebensdauer kommt. Was bringt die schönste Renditerechnung für Dichten, Dämmen, Begrünen und Energiegewinnen sind die Stär- ken im Produktprogramm der Paul Bauder GmbH & Co. KG. Seit zwei Jahren haben die Stuttgarter ein neues Führungsteam. Über die beiden Jahre nach dem Generationswechsel, die Marktaussich- ten am Dach und den neuen BauderECO S Dämmstoff sprach Dach- News mit Geschäftsführer Tim Bauder. Photovoltaik, wenn Sie nach zehn Jahren den Dachaufbau erneuern müssen? Mit BauderECO S haben Sie in diesem Jahr einen neuen Steildach-Dämmstoff vorgestellt. Sie sprechen dabei von neuer Nachhaltigkeit. Wie passt das zu PU, das bekanntermaßen auf Rohöl basiert? Tim Bauder: Wir denken nach wie vor, dass PU der mit Abstand nachhaltigste Dämmstoff ist. Er benötigt wenig Rohstoff in der Herstel- lung und bietet hervorragende Dämmwerte in der Nutzung. Diese Faktoren ergeben eine opti- male Ökobilanz. Noch weiter gehen wir mit unserer aktuellen Produktneuheit, dem ökolo- gischen Dämmstoff BauderECO S. Verarbeiter, Bauherren und Architekten fordern wohngesunde Dämmstoffe, die Energie einsparen und das Klima schützen. Der neue Dachdämm- stoff BauderECO S für die Auf- sparrendämmung setzt neue Maßstäbe. BauderECO S besteht zu ca. 75% aus nachwachsenden und recycelten Rohstoffen. Das sind Biomasse, recycelte Wertstoff- reste und natürliche Materialien. Die Biomasse wird aus Reststoffen aus der Landwirtschaft gewonnen. Die Wertstoffreste fallen bei der Produktion des Dämmstoffs an und werden zu neuen Roh- stoffen recycelt. Dieser Anteil wird sich in den nächsten Jahren weiter erhöhen. Für die obere und untere Deckschicht von BauderECO S wird Muschelkalk als natürliches Material ver- wendet. Bei der oberseitigen Kaschierung der Dämmelemente setzen wir wegen des deutlich vereinfachten Recyclings am Ende der Nut- zungsdauer auf sortenreines Polypropylen. Durch das neuartige BauderECO Schaumsys- tem, die beiden Deckschichten aus Muschel- kalk und durch die oberseitige Kaschierlage erhöhen wir die Diffusionsoffenheit des Dämmstoffes. BauderECO S ist dadurch atmungsaktiv. Eventuell eingedrungene Feuch- te kann sicher entweichen. Selbst bei der Ver- packung verwenden wir anteilig recycelten Kunststoff. Man weiß, dass ökologische Dämmstoffe meist teurer sind. Wie sieht das bei Ihrer Neuheit aus? Tim Bauder: Diese Nachhaltigkeit kostet etwas mehr. Wir reden über einen Preisunter- schied von etwa 10 Prozent, was das Material angeht. Wenn man das auf die Investitionssum- me bezieht, also bei einer durchschnittlichen Dachsanierung von ca. 40.000 Euro, sind wir bei Mehrkosten für BauderECO S von etwa einem Prozent. Wir denken, diese circa 400 Euro sind für mehr Ökologie und Nachhaltig- keit eine akzeptable Summe. Vergessen dürfen Sie dabei auch nicht folgende Gegenrechnung: Für die Herstellung von 150 Quadratmeter Dachdämmung aus Holzfaser sind etwa 15 Bäume von rund 15 Meter Höhe und 50 Jahre alt notwendig. Diese Bäume können Sie bei Verwendung von BauderECO S stehen lassen und helfen so unseren kranken Wäldern. Zudem haben wir entschieden, in diesem Jahr unsere Gelder für Verkaufsförderung in eine weitere Öko-Aktion fließen zu lassen: Pro 100 qm verkaufte BauderECO S Dämmfläche in diesem Jahr pflanzen wir jeweils drei Bäume inAufforstungsprojekten in Deutschland. Öko- logischer kann man wohl nicht dämmen. Der neue Dachdämmstoff BauderECO S besteht zu großen Teilen aus Biomasse (Reststoffe aus der Landwirtschaft), aus recycelten Stoffen (Wertstoffreste) und wei- teren natürlichen Materialien (Muschelkalk). BauderECO S enthält keine raumluftbelas- tenden Stoffe wie Formaldehyd, Bindemit- tel oder sonstige Zusatzstoffe, z.B. gegen Schädlinge oder Schimmel. Zusätzlich erfüllt BauderECO S die Vorgaben des AgBB (Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten). Zudem verspricht Bauder maximale Dämm- leistung bei geringstem Rohstoff- und Ener- gieeinsatz. (WLS 024/WLS 025). Im Ver- gleich mit anderen Dachdämmstoffen bietet BauderECO bei geringster Dicke eine her- vorragende Dämmleistung. Dadurch ist die Aufbauhöhe und die Gewichtsbelastung für Dach und Mensch deutlich geringer, das Dach sieht schöner aus - und schlanker muss beim winterlichen Kälte- und sommerlichen Hitzeschutz nicht schlechter sein. BauderE- CO S bietet auch hier beste Werte. Und die Wissenschaft hat bewiesen: Es gibt keinen Unterschied zwischen unterschiedlichen Dämmstoffen beim sommer- lichen Hitzeschutz. Bei einem mit BauderECO S gedämmten Dach bleibt die heiße Luft im Sommer drau- ßen und im Winter die war- me Luft im Raum. Lieferbar ist der neue ökolo- gische Dachdämmstoff Bau- derECO S – als Aufsparren- dämmung ab April 2020 in den Dicken 80, 105, 125 mm (jeweils WLS 025),140 und 160 mm (jeweils WLS 024). BauderECO S Aufsparrendämmung Die Paul Bauder GmbH & Co. KG in Stutt- gart ist führender Hersteller von Dachsys- temen in Europa und seit mehr als 160 Jah- ren inhabergeführt. Aus einer Hand bietet Bauder umfassende Beratung sowie alle Materialien zum Dichten, Dämmen, Begrü- nen und Energiegewinnen und gibt somit Planern, Bauherren und Verarbeitern die Sicherheit, die beste Entscheidung fürs Dach zu treffen. In Deutschland kommen die Abdichtung für jedes vierte Flachdach und jede fünfte Aufsparren-Wärmedämmung von Bauder. Etwa 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter arbeiten im Hauptwerk Stuttgart sowie in den sieben weiteren Werken in Bochum, Herten, Landsberg bei Halle, Achim bei Bremen, Bernsdorf und Schwepnitz bei Dresden sowie Bruck an der Leitha bei Wien. Sechs Verkaufsgruppen in Deutsch- land und Vertriebsgesellschaften in 15 Län- dern sorgen für ständige Kundennähe. Das Unternehmen Das Führungsteam: Nachhaltig und dämmstark “Uns geht es darum, dass unter die Solar- Module eine ver- nünftige Däm- mung und Abdichtung mit hoher Lebens- dauer kommt.” Bauder Umsatzentwicklung in Mio. Euro Flachdachmarkt Deutschland in Mio. m 2 Schätzung Anteil Substrat begrünter Dächer Mark Bauder (links) verantwortet den Bereich Technik, Tim Bau- der das Marketing, Jan Bauder (rechts) ist zuständig für den Bereich Export und Finanzen, alle unterstützt und begleitet von Gerhard Einsele (2. v. links). Sie sind Marktführer im Flachdach. Wie läuft der Markt hier? Tim Bauder: Das Flachdach hat im vergan- genen Jahr eher enttäuschend abgeschnitten. Trotz allem Gerede um den Bauboom gehen wir davon aus, dass der Abdichtungsbereich um 1 Prozent rückläufig war. Der Bauboom, der in aller Munde ist, erreicht die Abdichtung am Flachdach also leider nicht. Der Boom spielt sich vor allem im Mehrfamilienhaus im Bereich Fassade und Fenster ab. Das Dach die- ses Mehrfamilienhauses ist leider verhältnis- mäßig klein. Und dieses Jahr? Tim Bauder: Für das laufende Jahr gehen wir davon aus, dass wir das Vorjahresniveau

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2Nzg=