17 16 Ecke Turner- und Oberdorfstraße in VillingenSchwenningen entwickelten, planten und bauten LIST Develop und LIST Bau Rhein-Main, Gesellschaften der LIST Gruppe, eine fünfstöckige Hotelimmobilie für die B&B Hotelkette. Auf 3.661 Quadratmetern entstanden 103 Zimmer und 22 Tiefgaragenplätze. Neben den Ansprüchen des Mieters mussten aufgrund der Folgen des Klimawandels sehr restriktive Vorschriften seitens der Stadt erfüllt werden. Da das Gebäude die gesamte 1.110 Quadratmeter große Baulücke füllt und Regenwasser also nicht natürlich aufgenommen werden kann, dürfen gemäß behördlicher Vorgabe selbst bei einem Jahrhundertregenereignis maximal 3,3 Liter je Sekunde vom Baugrund in die Kanalisation fließen. „Wir mussten hier eine effiziente Lösung auf den Dächern finden. Gemeinsam mit Bauder haben wir dieses Ziel erreicht“, so Christian Schmid, Projektkoordinator des ausführenden Generalunternehmens LIST Bau Rhein-Main. Die Entscheidung fiel auf das innovative BauderGREEN Gründachsystem. „Damit konnten wir einen guten Ausgleich für die Bebauung leisten. Es geht heute im Neubau auch um dezentrales Regenwassermanagement, das dem Klimawandel entgegenwirkt“, so Schmid weiter. Berechnung auf Grundstücksebene Für die Gründachplanung kam Landschaftsarchitekt Dipl.-Ing. Tobias Buchen, Geschäftsführer der Freiburger flor-design Dach GmbH auf Bauder zu. „Wir arbeiten schon lange, häufig und sehr gerne mit Bauder. Dabei schätzen wir die verlässliche Beratung und die Vielfalt an Dachsystemen aus einer Hand.“ Aufgrund der städtischen Vorgaben wurde eine exakte Berechnung für die Gründachflächen mit einem Nachweis für die behördliche Einleitbeschränkung von qdr,max 3 l/s benötigt. Vorgegeben war das aus statischen Gründen einfach auszuführende Gründach auf den 777 Quadratmeter großen Dachflächen mit 2 % Dachgefälle auf dem fünften Stockwerk des Hotels. Überschüssiges Wasser gelangt über Fallleitungen auf den ersten Stock. Hier unten auf der Tiefgarage wird das Wasser geparkt: Das 245 Quadratmeter große Dach muss den Wassereinstau für beide Dächer übernehmen. Da das Grundstück vollflächig bebaut ist mit Dachflächen von rund 1.000 Quadratmetern, wurde gemäß DIN 1986-100 der Überflutungsnachweis für ein 100-jährliches Regenereignis geführt. Unter Eingabe der abflusswirksamen Flächen und deren Verknüpfung simulierte Bauder Anwendungstechniker Tobias Klinger mit modernster Software den Regenwasserrückhalt auf den begrünten Dachflächen. In Zusammenarbeit mit der ITWH Hannover, dem Institut für technisch-wissenschaftliche Hydrologie, war hierfür die Software KOSIM, Kontinuierliches-Langzeit-SimulationsModell, um die Bauder Retentionsbausteine erweitert worden. „Somit garantieren wir für fachlich korrekte Rückhaltevolumina im Sinne aller geltenden Regelwerke“, erklärt Bauder Experte Klinger. Stapelbare Regenrückhalteelemente Die Berechnungen ergaben ein benötigtes Retentionsvolumen von 19 cm unter der mehrschichtigen Dachbegrünung auf der gefällelosen, sehr begrenzten Dachfläche der Tiefgaragen. Dieser Rückhalteraum wurde mit zwei Lagen BauderGREEN RWR 100 Regenwasserrückhalte-Elementen zu je 100 mm Höhe und jeweils 95 l/m2 maximalem Einstauvolumen geplant und umgesetzt. Da die gesamte Einstauhöhe benötigt wird, musste die Drosselung auf Abdichtungsebene erfolgen. Es bleibt etwas Wasser stehen, der Großteil läuft aber nach und nach ab. „Ein Dauereinstau von drei Zentimetern wäre für die Schwammstadt ideal, aber die 20 cm der übereinander gestapelten Hohlraumkörper werden in diesem Bauvorhaben aufgrund der Einleitbeschränkung von 3,3 l/sec zur Vermeidung von Überschwemmungen vollständig benötigt“, fasst Tobias Klinger den Aufbau zusammen. Dachaufbauten für Komfort und Klima Den Auftrag für alle Dacharbeiten der Hotelimmobilie vergab LIST Bau an die Rudi Metzler GmbH aus Hinterzarten. Das Unternehmen ist bekannt für hohe Qualität. „Wir arbeiten sehr viel mit Bauder“, so der technische Betriebsleiter Gerson Wehrle. „Die vielfältigen Bauder Dachsysteme sind dauerhaft sicher und die Komponenten einfach zu verlegen. Der Bauder Fachberater unterstützt bei der Wahl und begleitet die Arbeiten, über die Bauder Anwendungstechnik erhalten wir alle Berechnungen dazu.“ Alles verlief wie immer zuverlässig und die Lieferungen erfolgten just in time, was hier besonders wichtig war, denn es gab keine Lagerungsfläche am Boden, alle Baumaterialien mussten sofort nach Anlieferung mit dem Kran aufs Dach transportiert werden. Die Abdichtung auf dem Tiefgaragendach im ersten Stock bedurfte besonderer Aufmerksamkeit, denn die gesamte Fläche dient als Wasserbecken, die Attika bildet den Rand der Wanne. Hier rollten die Dachdecker die Bauder PYEPV200 DD, eine Elastomerbitumen-Dachdichtungsbahn mit Trägereinlage als erste Abdichtungslage auf der grundierten Fläche in Heißbitumen ein. Darauf verschweißten sie als Oberlage die 5,2 mm dicke ElastomerbitumenSchweißbahn BauderPLANT E mit Trägereinlage und integriertem Wurzelschutz vollflächig. Die Drossel mit den Bohrungen für den reduzierten Wasserabfluss gemäß Vorgabe wurde in den Ablauf eingesetzt. Die Grundlage für das Retentionsdach mit Drossel war geschaffen. Metzler Bauleiter Wehrle übergab auch diese Dachfläche an die Begrüner. Dachbegrünungssysteme für Klima und Wasserhaushalt Für die Einschichtbegrünung verlegte die flor design Mannschaft zunächst eine Faserschutzmatte von 600 g/m², auf der 14 cm EE 1250 Substrat aufgeschüttet und Sedum eingesät wurden. „Das BauderGREEN Extensiv Sedumdach ist einfach die wirtschaftlichste Art, eine pflegeleichte Begrünung und einen durchschnittlichen Wasserrückhalt von rund 50 Prozent herzustellen. Das Flächengewicht des Aufbaus in wassergesättigtem Zustand beträgt etwa 110 kg/m2 bei einer Höhe von 12 Zentimetern Extensivsubstrat im verdichteten Zustand“, so Tobias Buchen zum Dachaufbau. Das Wasser parkt auf der Tiefgarage Spannend wurde es unten auf dem Dach der Tiefgarage. „Die RWR 100 ist neu für uns und wir haben uns über die Einweisung der Mitarbeiter durch den Anwendungstechniker auf der Baustelle gefreut“, schätzt der flor-design Geschäftsführer die Zusammenarbeit. „Alles klappte super einfach in der Verarbeitung und im Handling.“ Auch hier schützten die Begrüner die Dachabdichtung mit einer 600 g Faserschutzmatte gegen mechanische Beschädigung. Jetzt standen die skelettartigen Hohlraumkörper aus Polypropylen zur Verlegung nach den Bauder Ausführungs- und Detailplänen bereit: die erste Lage der 10 cm hohen, 60 mal 60 cm großen BauderGREEN RWR 100 Regenwasserrückhalte-Elemente wurde stumpf gestoßen ausgelegt und untereinander mit Flügelverbindern fixiert. Sie konnten anschließend problemlos begangen werden, um die zweite Lage aufzuschichten. Die Einstauhöhe zur temporären Regenwasser-Rückhaltung in gefällelosen Dachkonstruktionen beträgt nun 20 cm und bietet entsprechend Raum für beachtliche 190 l/qm. Das folgende Filtervlies verhindert das Einschlämmen von Feinteilen aus der Vegetationsschicht. Das BauderGREEN SUB-EM 1250, Substrat Extensiv Mehrschicht, wurde 12 cm So funktioniert die Schwammstadt Ein Hotel-Neubau in Villingen-Schwenningen zeigt, wie ein Gründachsystem das Regenwasser der beiden rund 1.000 Quadratmeter großen Dachflächen managt. Selbst bei Starkregen lässt der zweilagige, 20 Zentimeter hohe Retentionsaufbau mit Drossel nach Versorgung der Pflanzen und klimafreundlicher Verdunstung nicht mehr als die mit städtischer Einleitbeschränkung vorgegebenen 3,3 Liter je Sekunde zeitverzögert in die Kanalisation abfließen. Das stoppt Überflutungen und hilft der Klimaanpassung. Speziell in Städten spüren die Menschen den Klimawandel mit seinen negativen Auswirkungen. Städtische Hitzeinseln belasten die Gesundheit. Starkregen überfordert die Kanalisation und überflutet die oft riesigen versiegelten Flächen. Fehlende Begrünung verhindert die benötigte langsame Verdunstung des Wassers und die einhergehende Kühlung sowie die Reduktion der CO2 Emissionen – ein Teufelskreis. Die Bekämpfung dieser Auswirkungen und die Anpassung an den Klimawandel werden in der zunehmenden Urbanisierung und Nachverdichtung in städtischen Gebieten zur Herausforderung. Wo früher Wasser schnell in die Kanalisation abgeleitet wurde, ist es heute Ziel, den Wasserkreislauf aus Verdunstung, Versickerung und Abfluss intelligent wiederherzustellen. Schwammstädte mit Dachbegrünungen und Retentionsdächern bringen Lebensqualität. Sie bekämpfen dauerhaft Symptome und Auswirkungen des Klimawandels. „Damit die wachsende Urbanität nicht zum klimatischen Desaster wird, benötigen wir Schwammstädte, deren grüne Infrastruktur die Versiegelung durch die Bebauung ausgleicht“, so der Bauder Experte für Retentionsdächer, Tobias Klinger. Klimaretter Gründach: Jedes Gründach entsiegelt. Es saugt sich bei Niederschlag wie ein Schwamm voll Wasser und reduziert und verzögert so seinen Abfluss. Die Verdunstung wird gesteigert, Wasser gelangt in den natürlichen Kreislauf zurück und kühlt dabei die Umgebung. Bereits ein einfaches extensives Dach mit 6-10 cm Substrathöhe erreicht einen Jahresabflussbeiwert Ca von 0,5 und damit eine rund 50-prozentige Verdunstung mit enormer Kühlleistung durch Bindung von Energie. Gleichzeitig senken Dachbegrünungen Emissionen, indem sie gegen Hitze und Kälte dämmen und CO2 aufnehmen, um O2 abzugeben. Sie binden Luftschadstoffe und Feinstaub, mindern Lärm und schützen die Abdichtung vor Hagel, Extremtemperaturen und UV-Strahlung und verlängern so deren Lebensdauer. Retentionsdach mit Drosselung: Neben den ökologisch-ästhetischen Funktionen werden Gründächer mit den entsprechenden Retentionssystemen zu Regenwassermanagern. Durch Retentionsaufbauten wird Regenwasser dezentral gespeichert, es versorgt die Pflanzen und verdunstet, bis die maximal erlaubte Menge abfließt. Um die Kanalisation besonders bei Starkregenereignissen zu entlasten, fordern Gemeinden entweder eine Reduktion des Spitzenabflussbeiwertes Cs oder deutlich restriktiver eine Einleitbeschränkung des Überschusswassers in das Abwassernetz in Litern pro Sekunde. Eine Erhöhung der Wasserspeicherung im normalen Gründachaufbau kann allerdings nicht beliebig gesteigert werden. Die Wasserspeicherung im Substrat ist immer bestimmt und begrenzt von der Vorsättigung durch vorangegangene Regenereignisse. Um das Regenwassermanagement auf Grundstücksebene unabhängig von der Vorsättigung zu gestalten, wird das Dachsystem durch einen Retentionskörper in Verbindung mit einer Drosselung im Dachablauf erweitert. „Das Gründachsystem BauderGREEN Retention Drossel erlaubt uns, Einleitbeschränkungen exakt zu berechnen und so den Vorgaben dauerhaft nachzukommen“, so Tobias Klinger. Hintergrund: Schwammstadt und Klimawandel hoch aufgetragen. Die Sedum-KräuterMischung konnte ausgesät werden. Bald werden die Hotelgäste auf ein rotgelbbuntes Blütenmeer blicken. „Dächer können heute alles“ Der Neubau der Hotelimmobilie zeigt, wie moderne Dachsysteme dazu beitragen können, die Umweltbelastung zu reduzieren und einen positiven Beitrag zur Klimaanpassung zu leisten. „Dächer werden zukünftig im Kampf gegen den Klimawandel eine gewichtige Rolle spielen – sie können Klimaretter, Regenwassermanager, Stromproduzent sein und dämmen und dichten dabei ganz nebenbei“, so Tobias Klinger. „Von uns gibt es dazu Beratung, Berechnungen und Dachkomponenten.“ Regenrückhalt auf dem Dach der Tiefgarage: Die Dachabdichtung wurde mit einer 600 g Faserschutzmatte gegen mechanische Beschädigung geschützt. Dann folgten zwei Lagen der skelettartigen Hohlraumkörper BauderGREEN RWR 100 Regenwasserrückhalte-Elemente aus Polypropylen. Die Einstauhöhe der gefällelosen Dachkonstruktionen beträgt nun 20 cm und bietet Raum für beachtliche 190 l/qm. Grüne Retentionsdächer mit Drossel
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