NEWS DACH 2/26 3 Durch den Irankrieg hat das Thema Energiepreise den Bedachungsmarkt in diesem Jahr mal wieder im Griff. Verarbeiter ächzen unter Preissteigerungen. Wie sehen Sie die Branche aktuell? Stehr: Unsere Branche hat zurzeit einige Herausforderungen – steigende Energiekosten, steigende Materialpreise, die Konsumbereitschaft ist auf historisch niedrigem Niveau, die Bautätigkeit im Neubau ist schwach. Das stellt uns und alle Akteure – Handwerk, Handel, Industriepartner – vor Herausforderungen. Dazu kommt Unsicherheit über die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Trotzdem gibt es bei aller Unsicherheit auch positive Impulse. Für VELUX gesprochen – der Bedarf an nachhaltigem, gesundem Wohnraum ist ungebrochen und wird eher noch zunehmen. Ich glaube, gerade in solchen Zeiten, ist es wichtig, Gestaltungswillen zu haben, positiv zu bleiben und zu sehen, welche neuen Ideen es in der Branche gibt. Wie würden Sie die Konjunkturlage bei VELUX in diesem Jahr einordnen, auch im Vergleich zu Krisen wie Corona? Stehr: Die Konjunktur lässt sich in unserem Fall nur bedingt mit der Corona-Krise vergleichen. So furchtbar wie die Zeit damals in vielerlei Hinsicht war, hat sie für uns rein wirtschaftlich tatsächlich wie ein Katalysator gewirkt: Die Leute haben viel in ihre Immobilien investiert, ins Homeoffice, in den Ausbau. VELUX hat davon profitiert. Blickt man auf die letzten anderthalb Jahre, glauben wir nach wie vor an Wachstum, aber das Marktumfeld ist deutlich schwieriger geworden. Wenn weniger gebaut und saniert wird, spüren wir das natürlich auch. Nichtsdestotrotz ist die Nachfrage nach energieeffizienten Gebäuden und nachhaltigem Wohnraum nach wie vor hoch – das stimmt uns optimistisch. Wie messen Sie Erfolg – in Anzahl verkaufter Fenster? Stehr: Die Stückzahl verkaufter Fenster ist ein wichtiger Indikator. Sie ist aber nur ein Teil unserer gesamten Umsatzentwicklung. Wir haben zum Beispiel ein umfangreiches Zubehörsortiment, das auch einen wichtigen Beitrag zum Umsatz leistet. Mit dem Zubehör erhöhen Sie Ihre ‘Umsätze pro Loch’ im Dach? Stehr: Das ist unbestritten nach wie vor ein ganz wichtiges Ziel. Sonnenschutz, Zubehör und auch Elektrifizierung sind wichtige Möglichkeiten, den Wert eines einzelnen Fensters zu steigern - beim Erstkauf oder bei der Nachrüstung. Mehr Umsatz pro Dachöffnung, das ist weiterhin ein wichtiger Teil unserer Strategie. Trotzdem muss man doch die Frage stellen, was kommt danach, um neues Wachstum zu generieren? Stehr: Da gibt es viele Ideen in der Entwicklung, die ich noch nicht alle teilen kann. Unser klarer Fokus bleibt Tageslicht und frische Luft - und die Frage, wie wir diese Vorteile für noch mehr Menschen zugänglich machen können. Dazu gehören größere Lösungen, mehr Fenster und auch passendes Zubehör. Wie unsere neue Rollladenplattform, auf die wir derzeit setzen, um den Markt stärker zu bearbeiten. Insgesamt gibt es in Deutschland eine Unmenge Fensterherstellern im Fassadenbereich. Beim Dachfenster sind es nur ganz wenige Hersteller. Warum gibt es nicht mehr Anbieter von Dachfenstern? Stehr: Das ist eine wirklich spannende Frage, die ich nicht beantworten kann. Ich kann nur sagen: Wir sind sehr stolz, dass wir als VELUX das Dachfenster erfunden haben und das sehen wir auch als Verantwortung. Für uns ist es eben nicht nur ein Fenster, sondern Lebensqualität – es geht um nachhaltige, gesunde Wohnräume. Das ist tief in der VELUX-DNA verankert. Wir denken nicht nur, wie generieren wir mehr Umsatz am Fenster, sondern das Gesamtkonzept dahinter ist uns sehr wichtig. Ihr Thema ist die Belichtung im Dach. Ist hier die Bedeutung in den letzten Jahren gewachsen? Stehr: Gesundes Wohnen und Wohnkomfort haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Sensibilität dafür, was Tageslicht mit der Gesundheit macht, ist gestiegen – es gibt inzwischen viele Studien dazu. Wir hatten vor einigen Jahren die Kampagne „The Indoor Generation”, die gut auf den Punkt gebracht hat, wie viel Zeit wir in Innenräumen verbringen. Umso wichtiger sind gutes Tageslicht und frische Luft, z. B. für Konzentrationsfähigkeit und gesunden Schlaf. VELUX ist wahrscheinlich die bekannteste Marke am Dach in Deutschland und gilt weltweit als wichtigster Hersteller von Dachfenstern. Aber wie erfüllt man weiterhin die hohen Erwartungen und schafft neue Erfolge? In unserem Exklusiv-Interview stellt sich die Deutschland-Chefin Silke Stehr den Fragen zu Markt, Handwerk und Produkten. Und sie erklärt, was gute Lichtplanung unterm Dach ausmacht. menkommen, sind wir sehr zufrieden. Bei der Ausführung gibt es viele Dachdecker, die den einfachen Eins-zu-eins-Austausch bevorzugen, weil er schnell und einfach ist. Aber wir haben auch viele Dachhandwerker, die wirklich Spaß daran haben, tolle Lösungen und Lichtkonzepte zu entwickeln – mit echtem Interesse an dieser Transformation der Wohnräume, in der sie auch Umsatzpotenzial sehen. Sie hatten vorhin über Ihr Weiterbildungsprogramm gesprochen. Was können Handwerker bei Ihnen lernen? Stehr: Fachseminare und Trainings sind ein langjähriges Lieblingsthema von mir. Seit über 20 Jahren investieren wir da kontinuierlich. Das ist ein essenzieller Bestandteil unserer Partnerschaft. Im Fokus stehen Produktwissen und Einbau, aber genauso vertriebliche Themen und Marketing – etwa, wie man sich bei Social Media besser aufstellt. Es geht also nicht nur um Qualifizierung für den Einbau, sondern auch darum, Markt zu machen und Umsatzpotenziale zu erschließen. Wir trainieren im Schnitt bis zu 19.000 Teilnehmende pro Jahr in mehr als 700 Terminen in ganz Deutschland. Darauf bin ich sehr stolz. Letztes Jahr haben wir unsere Standorte weiter ausgebaut - mit einer Neueröffnung in Düsseldorf, der Erweiterung in Garching bei München. Wir schulen auch direkt an Meisterschulen und überbetrieblichen Ausbildungszentren. Produktschwerpunkt in 2026 ist Ihr neuer Rollladen. Wie ist der angelaufen? Stehr: Da sind wir schon sehr zufrieden. Für eine vollständige Bilanz ist es nach zwei Monaten aber noch zu früh. Wir haben schon viel geschult und tolles Feedback von den Handwerkern bekommen – der Einbau sei noch komfortabler, einfacher und schneller, die Produkteigenschaften sprächen für sich. Spannend sind auch Ihre elektrisch gesteuerten Fenster, die stark zugenommen haben. Wie ist die Entwicklung? Stehr: Elektrische Dachfenster haben wir in den letzten Jahren deutlich mehr verkauft. Beim Handwerk steigt die Akzeptanz – der Umgang mit den Elektrokomponenten muss häufig erst geschult werden, weil er neu ist. Aber wir sehen eine positive Entwicklung, etwa mit unserem neuen 230-Volt-Fenster, das die Integration für unsere Profi-Partner noch einfacher macht. Das Thema VELUX Active – automatisierte Raumklimasysteme, Smart Home – bespielen wir schon seit Jahren. Es nimmt weiter zu, ist in Deutschland aber noch nicht so stark wie zum Beispiel in Dänemark. Ich gehe davon aus, dass es weiter steigen wird. Elektrische Fensterlösungen werden vor allem bei schwer erreichbaren Fenstern, in großen Räumen, oder in Gebäuden mit Smart Home Steuerung relevant. Ein wichtiges Boom-Thema der letzten Jahre am Dach war Solar. Ist das bei Budget und Fläche nicht letztlich ein Konkurrent zu Ihren Fenstern? Stehr: Das kann man so sehen, wir betrachten es aber eher als sinnvolle Ergänzung – für beides ist Platz. Wir wollen natürlich nicht, dass alles nur noch Photovoltaik ist, aber das erleben wir auch nicht so. Letztlich haben beide ihre Berechtigung und tragen dazu bei, Gebäude zukunftsfähig zu machen. Wir haben sogar Dachfenster, die mit Aufdachlösungen kompatibel sind, und einen speziellen Eindeckrahmen dafür entwickelt. Wir sehen das eher als Kombination denn als Widerspruch. Für uns entwickelt sich das Geschäft hier noch ohne große Wachstumssprünge. Im gesamten Photovoltaik-Bereich gibt es momentan durch politische Rahmen- und Förderbedingungen noch viel Unsicherheit. Da versuchen wir zu unterstützen, etwa mit Informationen dazu, welche Maßnahmen förderfähig sind und wann sich ein Energieberater lohnt – wir wollen helfen, Hürden abzubauen. Es ist aber ein wachsendes Segment. Wo sehen Sie VELUX in fünf Jahren? Was macht VELUX aus und unterscheidet das Unternehmen von anderen? Stehr: Ich glaube, keiner kann seriös sagen, was in fünf Jahren ist. Aber wenn Sie mich fragen: Wir werden noch moderner und digitaler sein und mit neuen Technologien weiter am Markt aktiv sein. Unsere Kern-DNA – Tageslicht und frische Luft – wird unverändert bleiben. Es gibt einen VELUX Leitsatz, den ich gern zitiere: „One experiment is better than a thousand experts views.” Diese Neugier, Dinge auszuprobieren und den Markt mitzugestalten, wird VELUX weiter antreiben. Ich bin überzeugt, dass in fünf Jahren noch viele spannende Themen anstehen. KI wird dabei natürlich auch eine Rolle spielen – wir haben schon einige Use Cases, die wir uns anschauen oder bereits umgesetzt haben. Als dänisches Familienunternehmen denken wir weiterhin langfristig und nicht nur in kurzlebigen Quartalen. Im Jahr 1941 gründete der dänische Ingenieur Villum Kann Rasmussen mit 32 Jahren seine Firma V. Kann Rasmussen & Co. in Kopenhagen. Sein erster Großauftrag noch im selben Jahr ist die Ausstattung von Klassenzimmern einer Schule mit Dachfenstern. 1942 wird VELUX dann zur eingetragenen Marke. „VE“ steht für Ventilation und „LUX“ ist das lateinische Wort für Licht. Das entspricht dem Leitsatz von Gründer Rasmussen: „ Die wichtigste Voraussetzung für alles Leben und Arbeiten ist Licht.“ Schon 1952 expandiert VELUX auch nach Deutschland. Im Jahr 1956 wird Zubehör damals mit der ersten Markise angeboten. Heute umfasst das Produktprogramm Dachfenster, Flachdachlösungen, dekorative Rollos und Sonnenschutzprodukte, Rollläden sowie Zubehör für den Fenstereinbau und Silke Stehr ist seit 1993 bei der VELUX Deutschland GmbH in Hamburg. In dieser Zeit war sie in unterschiedlichen Bereichen in Leitungsfunktionen tätig – von Logistik über Sales Support & Controlling bis hin zur Direktorin Kunden Marketing/ Management. Seit September 2023 ist sie Mitglied der Geschäftsführung der VELUX Deutschland GmbH, seit Januar 2026 alleinige Geschäftsführerin. Die 55jährige hat ihren Master of Business Administration in Oxford abgeschlossen und lebt in Hamburg. Privat liebt sie Ballett und Interior Design. Zur Person Der neue Rollladen Hintergrund Unternehmen VELUX Smart Home Lösungen. VELUX gilt als der weltweit größte Hersteller von Dachfenstern. Die Velux Gruppe ist im Besitz der VKR Holding A/S, die wiederum in Gänze gemeinnützigen Stiftungen sowie Mitgliedern der Gründerfamilie gehört. ‘VKR’ im Namen der Holding steht für den Gründer Villum Kann Rasmussen, der 1993 verstorben ist. Heute ist VELUX mit 11.400 Mitarbeitern in über 37 Ländern vertreten. Erfolgs- und Absatzzahlen veröffentlicht das nicht-börsennotierte Stiftungsunternehmen kaum. Im Jahr 2025 erzielte die VELUX-Gruppe einen Umsatz von knapp drei Milliarden Euro. Im selben Jahr spendete die VELUX Foundation 306 Millionen Euro für wohltätige Zwecke. In Deutschland beschäftigt Velux über 1.000 Mitarbeiter, der deutsche Hauptsitz ist in Hamburg. Die VELUX-Deutschland-Chefin im Interview “Für uns ist es nicht nur ein Fenster, sondern Lebensqualität.” Seit Anfang Mai ist der neue Rollladen von VELUX erhältlich. Er ist die wichtigste VELUX-Neuheit in diesem Jahr. Das Design hat bereits zwei Red Dot Awards in der Kategorie „Innovatives Design“ und den „Red Dot: Best of the Best“ gewonnen. Im Vergleich zum bisherigen Velux Rollladen bietet das neue Modell eine verbesserte Leistung etwa beim Hitzeschutz, schlankere Aluminiumlamellen und eine deutlich geringere CO2-Bilanz bei gleichzeitig dezentem und zeitgemäßem Design. Wesentliche Änderung zur Vorgänger-Generation ist, dass der Rollladen jetzt direkt auf den Flügel des Dachfensters montiert wird. Dadurch lassen sich die Fenster unabhängig von der Ausfahrposition des Rollladens ohne Einschränkung bedienen. 2 “Bei einer gelungenen Dachsanierung sollte man das Dachfenster von Anfang an mitplanen, um Lüftung und Tageslichteinfall optimal zu gestalten. Also nicht einfach irgendwo hinsetzen, sondern planen und simulieren.” Silke Stehr Was würden Sie Freunden empfehlen, die eine Dachsanierung angehen? Stehr: Wir sind Verfechter von drei Empfehlungen. Erstens: Das Dach nicht nur als reines Sanierungsprojekt, sondern als Wohnraumprojekt betrachten – sich Gedanken machen, wie man den Raum nutzt. Zweitens: Das Dachfenster von Anfang an mitplanen, um Lüftung und Tageslichteinfall optimal zu gestalten – nicht einfach irgendwo hinsetzen, sondern planen und simulieren. Drittens: Die Sanierung ganzheitlich betrachten, denn gerade im Dachgeschoss ist die gesamte Dämmung ein wichtiger Teil der Sanierung. Beachtet man diese drei Punkte, bekommt man langfristig sehr zufriedenstellende Lösungen. Unsere Leser sind Deutschlands Dachdecker, geben die beim Thema Fenster im Dach ausreichend Gas oder werden Umsatz-Chancen liegen gelassen? Stehr: Ich habe vor dem Dachdeckerhandwerk wirklich großen Respekt, sie leisten hervorragende Arbeit. Wir sind froh und dankbar, so kompetente Partner im Markt zu haben – das sehen wir auch in Befragungen, etwa wie engagiert sie uns Feedback geben oder auf Messen auftreten. Auf die Partnerschaft sind wir stolz, sie ist eines unserer größten Assets im Markt. Klar geht immer noch mehr, aber wenn gute Beratung und gute Handwerkskunst zusamNeu im September Flachdach-Fenster im Mittelpreissegment Velux komplettiert sein Flachdach-Sortiment mit einer optisch attraktiven Lösung im mittleren Preissegment. Ab September bietet der Dachfensterhersteller das Basiselement seiner 2009 eingeführten Flachdach-Fenster-Generation auch mit einem hochwertigen Glas-Oberelement im robusten Aluminium-Design an. Damit lässt sich hochwertiges Design bei Oberlichtern im Flachdach auch abseits des Premium-Segments realisieren. Verfügbar ist sie als fix verglaste und zu öffnende Ausführung, wobei letztere im Markt durch die serienmäßige Ausstattung mit Regensensor und den im Rahmen integrierten Motor heraussticht. Das unter dem Namen Velux FlachdachFenster Glas-Kuppel eingeführte neue Produkt ist mit einer flachen Glasscheibe als Oberelement ausgestattet. Damit eignet es sich hervorragend für den Einsatz in Dächern mit einer Neigung von 2°-15°. Es basiert auf der 2-fach-verglasten bestehenden Fenster-Generation und ist in acht Größen von 60x60 cm bis 120x120 cm verfügbar. Durch die 2-fach-Verglasung erreicht das Element einen sehr guten Wärmedämmwert von 0,75 W/(m²K). Bei Kauf eines Velux Solar-/Elektro-Flachdach-Fensters ist 2026 das Zubehör Velux App Control, das eine Steuerung über das Smartphone und damit auch per Sprachbefehl ermöglicht, kostenlos im Preis enthalten. Flachdach-Fenster für jeden Bedarf Mit den Premium-Lösungen FlachdachFenster Konvex- oder Flach-Glas zur Realisierung hervorragender U-Werte und größter Tageslichtflächen, den Flachdach-Fenstern der 2009er-Generation mit Glas- oder AcrylKuppel für gute U-Werte und große Tageslichtflächen sowie den Lichtkuppeln Kaltraum für die Erfüllung von Mindestanforderungen an Lichteinfall und Energieeffizienz bietet Velux nun für jede Anforderung zur Belichtung über das Flachdach die passende Lösung. Das beinhaltet auch Ausführungen für Spezialfunktionen wie Ausstieg und Rauchableitung, die seit September 2025 mit der Einführung des Velux Flachdach-Fensters CXU für Ausstieg und Rauchableitung in einem Produkt ermöglicht werden können.
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