4 Gemeinsames Ziel der Bauherren und des Architekten war es, den seit bald 90 Jahren in der Stadt bekannten Charakter der Gebäude zu bewahren und dennoch Raum für zeitgemäßes Wohnen zu schaffen. Wesentlich für diese Zielvorstellung war unter anderem der Erhalt der prägnanten Satteldächer auf beiden Gebäuden, der nur durch eine Konstruktion in Stahlbauweise zu gewährleisten war. Brennbare Holzdachkonstruktionen wären für die beiden Wohnhochhäuser nicht zugelassen worden. „Niemand würde heute auf ein Hochhaus ein Satteldach setzen, aber hier ging es ja um den Erhalt einer historischen Gebäude- und Stadtansicht“, erklärt Dipl.-Ing. Architekt Uwe Thal aus Gommern. Er entwickelte für seinen langjährigen Auftraggeber die Thomasblock eGbR ein Konzept für Umnutzung, Sanierung, Ausbau und Brandschutz. Gemeinsam mit Dr. Holger Keitel von den SGHG Ingenieuren entwarf er einen Dachstuhl aus verzinktem Stahl mit der ursprünglichen Neigung von 57°, auf dem eine Dämmlage aus 180 mm dicker Steinwolle verlegt werden sollte. Eine Konstruktion, die den Anforderungen an den Brandschutz in einem Hochhaus entspricht. Aufgrund der hohen Windlasten in dieser enormen Höhe war klar: Es muss eine Befestigungslösung gefunden werden, die Dämmung und Dichtbahnen unmittelbar nach der Montage gegen die Windlasten in 40 Metern Höhe sichert. Herausforderung Baudenkmal „Bei der Ausführung der Dachdämmung haben wir in den ersten Wochen so manche neue Erfahrung gemacht, die uns dazu brachte, den geplanten Ablauf anzupassen“, erinnert sich Razvan Gheorghe, Geschäftsführer der Constar GmbH aus Herborn, die als Generalunternehmer die Sanierung der beiden Speicher in Magdeburg verantwortet. Aber es habe sich, so resümiert Gheorghe weiter, dann doch relativ schnell abgezeichnet, wie Dämmung, Dichtung und Bekleidung des Dachstuhls effizient auszuführen sind. Die Verantwortlichen der Firma Constar hatten sich lange vor Baubeginn ausführlich mit den Eigenschaften verschiedener Dämmstoffe beschäftigt und für den Einsatz der „Masterrock 035“ von ROCKWOOL entschieden. Diese hochverdichtete Steinwolle-Dämmplatte mit extra harter Oberlage versprach eine Stabilität, die bei den zu erwartenden Windgeschwindigkeiten auf den Dächern der Silos die Verarbeitung erleichtern würde. „Da die Dämmung nicht auf einer durchgängigen Schalung, sondern direkt auf dem Stahlträgergerüst verlegt werden sollte, mussten die einzelnen Platten möglichst stabil sein“, fasst Razvan Gheorghe seine Überlegungen zusammen, die schließlich zur Wahl des Dämmstoffs führten. Zug um Zug Die „Masterrock“ Dämmplatten wurden paketweise – wie von den Dachdeckern angefordert und unmittelbar verarbeitbar – mit einem Kran in die oberste Etage eingehoben. Sie können dank hoher Festigkeit während der Bauarbeiten unter Einhaltung aller gebotenen Sicherheitsmaßnahmen betreten werden und sind wasserabweisend. Nach dem Einschieben der Platten in vormontierte U-Profile wurden sie mit speziell gefertigten Z-Winkeln aus Stahl in Breite der Sparren fixiert. Zusammen mit der unmittelbar aufgebrachten Dichtbahn „RockTect Drenatop“ wurden die Dämmplatten dann durch Konterlatten aus verzinktem Flachstahl final befestigt. Alle Befestigungselemente wurden passend zur gewählten Dicke der „Masterrock“ Dämmplatten von 180 mm gefertigt und nach Vorgabe des Statikers eingesetzt. Abschnittsweise erfolgte so die Dämmung und Abdichtung der Dächer der Silos jeweils von links nach rechts. Für die Sicherung der als Eindeckung ausgewählten Dachziegel auf der Metallunterkonstruktion hatte deren Hersteller, die Dachziegelwerke Nelskamp GmbH, spezielle Klammern entwickelt und bautechnisch prüfen lassen. Jeder einzelne Dachziegel ist mit einer Kopf- und Seitenklammer gesichert. Die Gesamtkonstruktion stellt aus Sicht aller Beteiligten ein Novum dar, das bei Hochhäusern zuvor nie in dieser Art und Weise umgesetzt wurde. Wohnungen für den Wissenschaftspark Errichtet wurden die beiden jetzt zu Wohngebäuden umgebauten Speichergebäude 1939 zur Lagerung von Gütern wie Getreide, Zucker, Salz und Futtermitteln. Inzwischen entsteht in der Umgebung auf dem ehemaligen Hafengelände der „Magdeburger Wissenschaftspark“. Das moderne Stadtquartier ist als Museums-, Wissenschafts- und Forschungsstandort gedacht, der neben vielen Arbeitsplätzen auch Wohnraum bieten muss. Über 200 Wohnungen hat allein die Thomasblock eGbR durch die Sanierung der Silos geschaffen. Im Einklang mit der historischen Substanz entstanden auf 15 Geschossen jeweils 116 Wohnungen und 15 Gewerbeeinheiten. Alle Wohnungen verfügen über voll verglaste Balkone, die sich trotz der modernen Ausführung perfekt in das historische Erscheinungsbild der Speicher einfügen. Dank der umsichtigen Sanierung und zeitgemäßen Dämmung erreichen die Gebäude heute Effizienzklasse EH 40. Geduld und Leidenschaft Auch die Wohnungen im von der Bauherrin „Silo A“ getauften Gebäude werden noch in diesem Jahr fertiggestellt, hofft Gerald Breschke, Geschäftsführender Gesellschafter der Thomasblock eGbR. Trotz der inzwischen 18 Jahre, die über Planung und Sanierung vergingen, habe er nie daran gedacht aufzugeben. „Die Reichseinheitsspeicher sind Landmarken mit einer besonderen, einmaligen Prägung. Auch stehen sie hier in Magdeburg an einem wunderschönen Standort“, erklärt er. Stahl und Steinwolle in 40 Meter Höhe Dacharbeiten am historischen Speicher Mit speziell gefertigten Stahlwinkeln wurden die „Masterrock“ Platten auf der Tragkonstruktion befestigt. Dämmung und Dichtbahnen wurden sofort nach der Verlegung mit Konterlatten aus verzinktem Flachstahl befestigt. Die „RockTect Drenatop“ Dichtbahnen wurden mit dem Klebeband „Twinline“ von ROCKWOOL verklebt. Rund 3.000 m2 Dachfläche galt es herzustellen und zu ertüchtigen. Seit den 1930er-Jahren prägt der ‘Reichseinheitsspeicher’ das Stadtbild des Magdeburger Industrie-Hafens. Nun wurden die ehemaligen SiloGebäude mit 15 Geschossen zu Wohnraum umgestaltet. Vor allem am Dach galt es den bekannten Charakter des Gebäudes mit prägnanten Satteldächern zu erhalten. Bei der Höhe der Gebäude und dem notwendigen Brandschutz kein einfaches Unterfangen. „Vor allem in der Breite und der Tiefe des Produktsortiments, das in großen Teilen direkt ab Lager verfügbar ist, unterscheidet sich der spezialisierte Bedachungshandel heute vom normalen Baustoffhandel. Und das muss natürlich auch mit entsprechendem Fachwissen zu Produkten und Fachregeln unterlegt werden. Sprich, wir setzen im Fachhandel für Dach und Fassade auf fundierte Beratung und sorgen so von Anfang bis Ende eines Projekts für eine fachkundige Begleitung als Erfolgsgarant.” Das erklärt Heinz Slink.. Er ist nicht nur im Vorstand des Zentralverbands des Deutschen Bedachungsfachhandels e.V., sondern seit 2001 auch Geschäftsführer der seit fast 40 Jahren erfolgreich am Markt agierenden FDF Fachhandelskooperation. Kooperation der Spezialisten Doch wie ist der Gedanke zur spezialisierten Gemeinschaft im Dachbaustoffhandel entstanden? Schon 1988 entschlossen sich damals eine Hand voll Gründungsmitglieder, die damalige allgemeine Baustoffkooperation als „Gemischtwarenhandel für Baustoffe“ zu verlassen und eine eigene Kooperation von Spezialisten für Dach- und Fassadenbaustoffe zu gründen. Einer von ihnen ist Edgar Juras, der bis heute den erfolgreichen Essener Dachbaustoffhandel Heinrich Obers in Essen führt. Über die damaligen Beweggründe erzählt er heute: „Unsere damalige Kooperation war einfach ein zu großes und vor allem auch ein zu heterogenes Gebilde. Nicht nur von der Größe, sondern vor allem von der Spezialisierung hatten die Mitglieder unterschiedliche Vorstellungen von der Marktbearbeitung. Als Spezialisten für Dach und Fassade fühlten wir uns nicht ausreichend gehört und vertreten. Unser Ziel war mehr fachliche Tiefe im Bereich Dach und Fassade und bessere persönliche Zusammenarbeit der Mitglieder. Eine Gemeinschaft, die den einzelnen Händler tatsächlich im täglichen Geschäft Rückendeckung und Rückenwind gibt“, erzählt Edgar Juras. Wir wissen, wovon wir sprechen Dieses Konzept der Kooperation der Spezialisten hat heute - 38 Jahre später - nichts an seiner Attraktivität eingebüßt. Heute steht die FDF für über 60 Unternehmen aus dem spezialisierten Dachbaustoffhandel in Deutschland, Österreich, Benelux und weiteren europäischen Ländern. „Das Fachwissen innerhalb der Bedachungsbranche ist gerade in den letzten Jahren nochmals deutlich gewachsen. Die immer dichtere Gebäudehülle an Dach und Fassade bedarf die genaue Kenntnis der entsprechenden Fachregeln, sonst wird aus dem Ziel des Energiesparens schnell ein Problem mit Schimmel oder Kältebrücken“, weiß Bedachungshändler Thomas Walter vom Dachbaustoffhandel Dach Walter aus Großschwabhausen in Thüringen zu berichten. Er ist seit 2007 in der FDF. „Als Kooperation von Fachhandels-Spezialisten fürs Dach wissen wir einfach, wovon wir sprechen und helfen so unseren Kunden im Fachhandwerk Fehler zu vermeiden. Dieses Expertenwissen und die aufgebaute Erfahrung bringen die Zeitersparnis, die heute auf der Baustelle überlebenswichtig ist. Gerade in noch jungen Geschäftsfeldern wie der Solartechnik sehen wir noch sehr oft unzureichende Kenntnisse bei der Planung im Handel“, schildert Thomas Walter seine Erfahrungen. Dem pflichtet auch sein FDF-Kollege Holger Schmitz vom Gelsenkirchener Dachbaustoffhandel H. P. Schmitz bei: „Der entscheidende Unterschied liegt in der Tiefe des Know-hows. Ein Spezialist beschäftigt sich jeden Tag ausschließlich mit dem Dach. Dadurch verfügt er über fundiertes Produktwissen, kennt die technischen Anforderungen und die aktuellen Regelwerke und kann Kunden auf Augenhöhe beraten. Generalisten bieten häufig ein breiteres Sortiment an, können aber naturgemäß nicht in jedem Bereich dieselbe fachliche Tiefe erreichen. Auch im Handwerk zeigt sich dieser Unterschied: Der Dachdecker ist Spezialist für die Gebäudehülle und erwartet von seinem Handelspartner dieselbe Kompetenz.“ Partner des Dachdeckers Spezialisierte Unternehmen sprechen also die gleiche Sprache wie ihre Kunden. Dadurch entstehen kurze Entscheidungswege, praxisnahe Lösungen und eine hohe Beratungsqualität. Zudem tauschen sich die Mitglieder der FDF regelmäßig aus, teilen Erfahrungen und entwickeln gemeinsam Lösungen für aktuelle Herausforderungen. Dieses Netzwerk stärkt jedes einzelne Unternehmen und kommt letztlich den Kunden zugute. Aber wie genau hilft das dem einzelnen Dachdecker? Dazu sagt Bedachungshändler Holger Schmitz: „Ein Dach ist ein technisch anspruchsvolles Gesamtsystem. Deshalb braucht der Dachdecker einen Partner, der nicht nur Produkte verkauft, sondern Lösungen bietet. Das beginnt mit technisch-kompetenter Beratung, einem auf das Dach abgestimmten Sortiment, hohe Warenverfügbarkeit und zuverlässiger Logistik und Baustellenbelieferung. Hinzu kommt Unterstützung bei Ausschreibungen und Objektgeschäften, Schulungen und Weiterbildung. Über allem steht der menschliche Faktor mit persönlichem Ansprechpartner und nicht zu vergessen auch mal freundschaftlicher Smalltalk unter Branchenkennern. Geschäfte werden letztlich immer noch unter Menschen gemacht“, so Holger Schmitz. Der spezialisierte Bedachungsfachhandel ist also weit mehr als reine Warenlogistik. Er bietet schnelle Lieferfähigkeit, digitale Prozesse, technische Beratung, Unterstützung bei komplexen Dachsystemen, Objektbetreuung, Lagerhaltung, Schulungen, Reklamationsmanagement sowie Nachhaltigkeits- und Recyclingkonzepte. Die FDF ist aus der Überzeugung entstanden, dass spezialisierte Bedachungsfachhändler gemeinsame Interessen haben und diese gemeinsam besser vertreten können. Im Mittelpunkt stehen der fachliche Austausch, die Förderung der Kompetenz im Bedachungsbereich und die Interessenvertretung des spezialisierten Fachhandels. Dachbaustoffhändler Holger Schmitz fasst das so zusammen: „Wir sind FDF Mitglied, weil wir davon überzeugt sind, dass Spezialisierung ein entscheidender Erfolgsfaktor ist. Die FDF bietet eine Plattform für Erfahrungsaustausch, gemeinsames Lernen und die Weiterentwicklung unserer Branche. Für uns ist die Mitgliedschaft Ausdruck unseres Anspruchs, unseren Kunden Kompetenz, Qualität und Verlässlichkeit zu bieten.“ Spezialisten für Spezialisten Vertriebs-Partnerschaft am Dach Bezugsquellen für Baustoffe gibt es viele, doch gerade bei Dachbaustoffen setzen Handwerks-Profis aus gutem Grund auf spezialisierte Handelspartner aus dem Dachbaustoffhandel. Diese stehen zumeist nicht allein im Markt, sondern setzen wieder auf die Stärke einer Kooperation mit anderen Spezialisten im Großhandel für Dach und Fassade. Am Ende entsteht unter der Maxime „Spezialisten für Spezialisten“ eine starke Vertriebspartnerschaft von Bedachungsprofis, die für mehr steht als eine Bezugsquelle. Es geht um Fachwissen, Service, zuverlässige Logistik und schlussendlich um ein erfolgreicheres Dachdeckerhandwerk. Heinz Slink ist seit 2001 Geschäftsführer der FDF. Edgar Juras ist Eigentümer und Geschäftsführer des Essener Bedachungshandels Heinrich Obers. Bilder: FDF Gesellschaftertreffen mit Fachvorträgen und Fachgesprächen. Thomas Walter ist Geschäftsführer des Bedachungshandel Dach Walter. Holger Schmitz ist Geschäftsführer des Bedachungshandels H. P. Schmitz aus Gelsenkirchen.
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