FDF DachNews - Ausgabe 2/2020

8 N EWS D ACH 2/20 9 Mit einem Vordach der besonderen Art emp- fängt die neue Produktionsanlage von Kirsch Pharma HealthCare in Bissendorf bei Han- nover den Besucher: Wie ein Flügel oder ein riesiger Faltenwurf schmiegen sich vielfältig abgewinkelte und geneigte Teilflächen aus schiefergrauem Titanzink an, auf und vor das Gebäude. Schon bei der Annäherung folgt das Auge unwillkürlich immer wieder neuen Linien, Graten oder Kehlen im Vordach, die harmonisch ineinander laufen. Erst kurz vor dem Eintritt zeigt sich eine weitere Überra- schung, denn die schiefergraue Dach- und Außenansicht wechselt in eine markante rote Untersicht aus trapezförmigen Aluminium- blechen, die sich als Decke im Innern des über zwei Etagen reichenden Foyers fortsetzt und den Besucher dadurch ohne optischen Bruch in das Gebäude hineinführt. Grate, Kehlen und Rinnen erzeugen 38 Teilflächen Der Entwurf für Vordach und Fassade stammt vom südafrikanischen Architekturbüro SAO- TA und wurde unter der Gesamtleitung von Krüger Consult GmbH, Burgwedel, von der SKAI GmbH, Wedemark planerisch umge- setzt. „Hinter der heute so leicht und fast schon spielerisch wirkenden Titanzinkbekleidung verbirgt sich eine Stahlfachwerkkonstruktion, die wir wegen ihrer komplexen Geometrie und der starken Dehnung nur mit einer Finite-Ele- mente-Software (FEM) unseres Partners structural.de beherrschen konnten“, erklärt von unten nach oben werden die Rauten jeweils in die Vorkantung der vorhergehen- den Reihe eingehängt und an ihrer Oberseite mit Haften am Untergrund befestigt. „Wo sich keine vorgefertigten Standardrau- ten verwenden ließen, haben wir teilweise mit Passrauten gearbeitet, die rechts oder links glatt waren und am Bauwerk passend zugeschnitten wurden“, erklärt Dachdecker Thomas Streve. „Viele Anschlüsse und Über- gänge erforderten aber so spezielle Zuschnit- te, dass wir die Rauten aus ebenen Tafeln selbst hergestellt haben. Das verursacht etwas mehr Aufwand, hat aber auch den Vor- teil, dass man sehr individuelle Anpassungen vornehmen kann. Die Flächenaufteilung und das 3D-Modell der Planer haben zwar aus- gezeichnet funktioniert, aber bei der Monta- ge in der Realität gibt es dann doch immer wieder kleine Abweichungen, für die man Korrekturmöglichkeiten benötigt.“ Zu den sehr speziellen Anschlussdetails gehören unter anderem die innenliegenden Rinnen, deren Grundform aus Aluminium- blech hergestellt, in die Unterkonstruktion Großrauten RHEINZINK-prePATINA schiefergrau in verschiedenen Formaten und Orientierungen prägen die Außenansicht eines außergewöhnlichen Vor- dachs bei einem Pharma-Unternehmen in Bissendorf bei Hannover. Die beson- dere architektonische Idee wurde mit einem planerischen 3D-Modell, genauer Flächeneinteilung und größter handwerklicher Sorgfalt zu einer expressiven Konstruktion umgesetzt. Auch die rote Dachunter- sicht war eine Herausforde- rung: An der Unterseite zunächst ein ebenes Basis- blech montiert, auf das anschließend einzeln gefer- tigte und lackierte Hutprofi- le gesetzt wurden. Dadurch konnte die Bekleidung der wiederum sehr verschieden geformten und geneigten Untersichtflächen genau an die Decke im Innern des Foyers angepasst werden, so dass die Sicken ein optisch perfekt durchlaufendes Linienbild bilden. Die architektonische Idee, aber auch die konstrukti- ven und entwässerungstechnischen Randbedingun- gen führten zu einer starken Gliederung mit insge- samt 38 Teilflächen unterschiedlicher Materialität und Neigung. Davon entfielen allein 23Abschnitte auf die mit Großrauten RHEINZINK-prePATINA schie- fergrau bekleidete Außenseite. Peter Meinecke von SKAI. „Die Stahlkon- struktion des rund 44 m breiten und am höchsten Punkt knapp 9,50 m hohen Vordachs steht links am Fußpunkt sowie rechts auf einer Stahlbeton- Wandscheibe auf und ist oben am Gebäude befestigt. Das Stahltragwerk hat eine rechnerische Längenausdehnung infolge der Wärme von bis zu 3 cm, das Gebäude aber nur von 1 cm. Darum verläuft längs durch das gesamte Vordach und damit mitten in der Bekleidung eine Dehnfuge, die für alle Bau- teilschichten zu übernehmen war.“ Weitere strukturierende Elemente in den Flächen sind verschiedene innen liegende Was- ser- und Lichtrinnen. Zum einen sammeln sie das Wasser der verschiedenen Dachabschnitte und führen es zu einem großen Wasserfangkas- ten im Zwickel über dem linken Fußpunkt, von wo es mit zwei Fallrohren unterhalb der Bekleidung zur Erde geführt wird. Zum ande- ren dienen sie auf der Fassade über dem linken Fußpunkt auch allein als gestaltende Elemente, die mit ihren eingelegten LED bei Dunkelheit prägnante Linien in der Fläche erzeugen. Es war also nicht nur der außergewöhnliche Architekturentwurf, der zu einer starken Glie- derung des Vordachs führte. Auch die kon- struktiven und wassertechnischen Randbedin- gungen hatten zusätzliche Unterteilungen der Bekleidung zur Folge. Für die Fachmonteure der Dachbau Stassfurt GmbH ergab sich dadurch die beeindruckende Zahl von 38 unter- schiedlichen Teilflächen mit jeweils eigener Neigung und Orientierung, aber auch mit ver- schiedenen Formaten und Materialien der Bekleidung. Der Löwenanteil mit 23Abschnit- ten entfiel auf die Außenansicht mit ihrem Großrautensystem RHEINZINK- prePATINA schiefergrau. Aber auch die ebenfalls von Dachbau Stassfurt montierte rote Untersicht des Vordachs gliedert sich in immerhin noch 15 unterschiedliche Bereiche. Alle zusammen bildeten eine spannende Herausforderung für den spezialisierten Fassadenbauer. Von der Stabstruktur zur Fläche „Unsere Arbeit begann mit dem Aufbau einer vollflächigen OSB-Schalung sowohl auf der Ober- als auf der Unterseite“, berichtet Metall- baumeister Thomas Streve von Dachbau Stass- furt. „Aus der offenen Stabstruktur des Stahls entstand dadurch eine geschlossene Fläche, auf der wir eine Kunststoff-Abdichtungsbahn ver- legt haben.“ Es folgte eine Konterlattung, bei der jede einzelne Latte ebenfalls mit einer Folienabdeckung abgedichtet wurde, sodass sich ein durchgängig geschlossenes Unterdach eingesetzt und anschließend mit Rauten oder je nach Situation auch Sonderprofilen aus Titanzink bekleidet wurde. Auch der große Wasserfangkasten im Zwickel wurde aus Aluminium geschweißt und im Ganzen ein- gesetzt. Zum Schutz gegen Vereisung im Winter sind sowohl der Wasserfangkasten als auch die Rinnen beheizt. Langlebiges Farbspiel in Schiefergrau und Rot Neben der Flächenaufteilung und dem har- monischen Verlegebild auf der Außenseite war auch die rote Dachuntersicht eine beson- dere Herausforderung. Denn es handelt sich nicht – wie man bei der Betrachtung der Fotos vielleicht denken könnte – um einfache Trapezblechtafeln, die lediglich an der Unter- konstruktion zu verschrauben waren. Statt- dessen wurde an der Unterseite zunächst ein ebenes Basisblech montiert, auf das anschlie- ßend einzeln gefertigte und lackierte Hutpro- file gesetzt wurden. Dadurch konnte die Bekleidung der wiederum sehr verschieden geformten und geneigten Untersichtflächen genau an die Decke im Innern des Foyers angepasst werden, sodass die Sicken ein optisch perfekt durchlaufendes Linienbild bilden. An der rechten Wandscheibe empfängt den Besucher heute das Logo des Bauherrn, an das sich die Farbgebung der schiefergrauen Titanzink-Großrauten und der roten Alumi- nium- Dachuntersicht anlehnt. Die Anmu- tung und Ästhetik beider Materialien ist von einem hohen Maß an planerischer Vorberei- tung sowie handwerklicher Kunstfertigkeit und Erfahrung geprägt. Das Ergebnis recht- fertigt den vergleichsweise hohen Aufwand: Kirsch Pharma HealthCare gewinnt mit die- sem Vordach eine architektonisch überra- schende und unverwechselbare Eingangssi- tuation, die das Zusammenspiel von Qualität und Moderne erkennen lässt, dem sich der Pharmazie- und Biotechnologiespezialist verpflichtet fühlt. Vordach aus Titanzink ergab. Es gewährleistet die Dichtheit der Gesamtkonstruktion und ermöglichte damit auch in den sehr flach und teilweise nur 7° geneigten Teilflächen die Verwendung des Großrautensystems. Eine weitere Lattung sowie die Unterdeckbahn schlossen die vorbereitenden Holzarbeiten ab, bei denen Thomas Streve noch auf ein beson- deres Detail verweist: „Die Stahlkonstruktion definierte die Form des Vordachs, der unsere Holzunterkonstruktion sozusagen eins zu eins folgt. Die Wandscheibe ganz rechts besteht jedoch im Kern aus Stahlbeton mit rechtecki- gem Querschnitt. Hier haben wir mit dem Holz eine nach außen spitz zulaufende Geometrie hergestellt.“ Die konische Form der Wand- scheibe ist tatsächlich erst bei genauerem Hin- sehen zu erkennen, trägt aber maßgeblich zum dynamischen Eindruck der gesamten Kon- struktion bei. Großrauten mit verschiedenen Formaten Die Flächenaufteilung für die Bekleidung mit RHEINZINK Großrauten wie auch den Auf- bau der Unterkonstruktion hatten die Planer im Detail ausgearbeitet und dem Dachdecker als digitales 3D-Modell übergeben. Die Finessen dieser Planung erklärt Peter Meinecke von SKAI: „In der Gesamtansicht sollten die Rau- ten unabhängig von der Neigung und Geome- trie der jeweiligen Teilfläche einen harmoni- schen und in sich geschlossenen Eindruck erzeugen. Dafür mussten die Fugen optisch über Grate und Kehlen hinweg durchlaufen und durften keinesfalls Kreuzfugen ausbilden. Eine gewisse Ironie liegt nun darin, dass wir, gerade um dieses Gleichmaß für den Betrach- ter zu erreichen, ungleiche Rautenformate ver- wendet haben. Die breitesten Rauten befinden sich an der Wandscheibe rechts mit 362 x 1470 mm, auf den Hauptflächen über dem Fußpunkt handelt es sich um eine mittlere Größe von 320 x 1486 mm, auf sehr kleinen Teilflächen sind wir aber auch bis 286 x 1486 mm herunterge- gangen.“ Durch die sorgfältige Flächenaufteilung konn- ten immerhin rund die Hälfte der verwendeten Großrauten in den verschiedenen Größen als vorgefertigte Elemente auf die Baustelle geor- dert werden. Die Rauten weisen bereits ab Werk oben und an einer Seite Vorkantungen sowie unten und an der anderen Seite entspre- chende Rückkantungen auf. Beim Verlegen METALL DACH Flachdachfenster Stella von Indu Light: Ein neuer Stern am Tageslichthimmel Stella von Indu Light ist ein innovatives Flachdachfenster mit flächenbündigem Wärmedämmglas. Als individuell konfigu- rierbares System erfüllt es unterschied- lichste Anforderungen an Tageslicht und Frischluft in Neubau und Sanierung. Mit klarer Geometrie und Präzision im Detail macht Stella das Flachdach zur fünften Fassade. Elf modulare Fenstergrößen, rechteckig oder quadratisch, von 60x60 bis 150x150 cm sor- gen für gleichmäßige Ausleuchtung in tiefen Raumzonen und hohe Lichtausbeute in innen- liegenden Räumen. Je nach Anforderung kön- nen energieeffiziente Wärmedämmgläser in Zweifach- oder Dreifachverglasung gewählt werden. Zweifachverglaste Stella-Flügel erreichen U-Werte von 1,4 bzw. 1,3 W/m²K, dreifachverglaste sogar 1,0 bzw. 0,98 W/m²K nach EN 1873 bzw. EN 14351-1. Mit Sonnen- schutzgläsern lässt sich die Aufheizung der Räume deutlich reduzieren. Die Scheiben sind klar oder opal wählbar und bieten Gesamtenergiedurchlassgrade von 61 bis 33 Prozent bei gleichzeitigem Lichttrans- missionsgrad von 79 bis 48 Prozent. Als Klar- glas-Version eröffnen sich attraktive Ausbli- cke in den Himmel und im Innenraum atmo- sphärische Licht- und Schattenwirkungen. In opaler Ausführung bringt Stella gleichmäßi- ges Tageslicht in den Raum. Von besonderer Bedeutung sind auch die guten Schalldämm- maße. Schon bei Zweifachverglasung werden 39 db erreicht, bei Dreifachverglasung sogar 42 db. Das Flachdachfenster Stella ist mit standard- mäßig eingesetzter ESG-Außenscheibe ohne Zusatzmaßnahmen dauerhaft durchsturzsicher bei Instandhaltungsarbeiten sowohl nach DIN 18008-6 als auch nach GS-BAU-18. Mit passgenauen Aufsetzkränzen und Rah- men lässt sich jede Bauaufgabe auf Dächern mit Neigungswinkeln bis 25 Grad lösen: im Neubau und in der energetischen und ästheti- schen Sanierung. Den zweischaligen GFK- Aufsetzkranz gibt es mit 30 oder 60 mm Däm- mung in vier Höhen von 150 bis 500 mm. Ein PVC-Sanierungsaufsetzkranz ist in 200 mm Höhe verfügbar. Als universelle Lösung für Reparatur und Austausch bieten die Sanie- rungsrahmen und Sanierungs-Aufsetzkränze von Indu Light alle Möglichkeiten für eine wärmebrückenfreie Modernisierung. So wird der sichere Anschluss an die Dachhaut gewährleistet und der Austausch älterer oder defekter Lichtkuppeln zu einer einfachen Angelegenheit. Durch die Kompatibilität mit der Lichtkuppel Libra von Indu Light und mit zahlreichen Fremdfabrikaten sind hinsichtlich Auf- und Umrüstung fast keine Grenzen gesetzt. Das Flachdachfenster Stella gibt es als fest- verglastes und als lüftbares Modell. Von der manuellen Wanderspindel über das wirtschaft- liche Treppenhausset bis zu hochwertigen mit 24 oder 230 Volt betriebenen Spindel- und Kettenmotoren stehen vier komfortable Öff- nersysteme zur Verfügung.

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