FDF DachNews - Ausgabe 3/2017

Schlagfertigkeit fungiert im Berufsleben als ein verbales Stoppschild, das dem Kollegen signalisiert, dass er eine Grenze überschritten hat. Daher hat es auch nichts mit Streitsucht zu tun, sondern kann sogar deeskalierend wirken. Anders sieht es dagegen aus, wenn wir mit dem Chef oder mit Kunden sprechen. Hier können verletzende Konter die Beziehung zum Gegenüber sehr belasten. Aus einer nicht ver- letzenden, schlagkräftigenArgumentation kön- nen Sie jedoch sehr wohl einen Vorteil ziehen. Für den Auftragsverlauf ist gute Stimmung auf beiden Seiten wichtig. An welcher Schraube Sie drehen müssen, um das eigene Stressemp- finden in Momenten der Konfrontation zu ver- bessern und auch ohne verbalen Schlagab- tausch zur sachlichen Auseinandersetzung zu kommen, weiß Gero Teufert. Gehen Sie gelassen und souve- rän mit Einwänden um. Bei Beschwerden oder Reklama- tionen fühlt man sich schnell mal persönlich angegriffen. Hier kann es helfen, sich innerlich den Satz zu sagen: „Es geht um die Sache, es geht nicht um mich.“ Das entkop- pelt die Person vom eigentlichen Thema und es fällt leichter, nicht emotional betroffen zu reagieren. Eine wei- tere Möglichkeit, Konfrontatio- nen souverän zu vermeiden, ist, Vorwürfe als Botschaft zu begreifen. Indem Sie nämlich Einwände als Interesse und Angriffe als ein Problem oder eine Angst des Angreifers verste- hen, entkoppeln Sie diese nicht nur von der persönlichen Ebene, sondern befreien sich auch von dem Zwang, unbedingt schlag- fertig reagieren zu müssen. Zum Beispiel sagt Ihr Kunde: „Was verbreiten Sie denn hier für ein Chaos?“ – und Sie würden am liebsten unwirsch zurückgranteln. Halten Sie stattdessen kurz inne. Der Kunde sagt gera- de, er wünscht sich mehr Ordnung – das ist sein Interesse. Wenn Sie diesen Wunsch erfül- len, ist das Problem gelöst. Statt einer brum- migen Reaktion sagen Sie besser: „Wir brau- chen noch 20 Minuten, dann räumen wir alles auf.“ Mit dieser Antwort ist der Kunde zufrie- den und Sie sind raus aus der Konfrontation. Suchen Sie nicht immer nach Schuldigen. „Aber Sie wollten doch unbedingt diesen Dachziegel. Ich habe ja gleich gesagt, dass er optisch nicht passt, doch Sie wollten ja nicht auf mich hören!“ Kommt Ihnen das bekannt vor? Nie- mand lässt sich gerne abstempeln oder für dumm verkaufen – auch und schon gar nicht Ihr Kunde, der Sie für Ihre Leistung bezahlt. Schuldzuweisungen bringen Sie in einer sol- chen Situation nicht weiter, sondern können die Auseinandersetzung eher noch verschärfen und den Kunden auf alle Zeit vergraulen. Vielmehr ist Lösungsorientierung gefragt. Wenn etwas schiefgeht, dann kümmern Sie sich zeitnah um die Lösung des Problems und suchen Sie nicht nach Ausreden oder Schuldigen. Sie werden sich in weit weniger konfrontativen Gesprächen wiederfinden, wenn Sie das beachten. Lassen Sie anderen ihre Mei- nung. Hand aufs Herz: Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich immer durchsetzen wollen und gerne das allerletzte Wort haben? Damit provozieren Sie einen Streit ja geradezu. Kämpfen Sie nicht ständig darum, recht zu haben, sondern respek- tieren Sie die Meinung anderer und leben Sie vielmehr mit der Einstellung „Nicht jeder muss meiner Meinung sein“. Das werden Sie ohne- hin nicht erreichen. Überprüfen Sie Ihre Einstel- lung zum Dienen und Verdie- nen. Verdienen hat immer etwas mit dienen zu tun. Wenn Sie Geld verdienen wol- len, müssen Sie eine Leistung erbringen oder Produkte herstellen, die jemandem dienlich sind. Das heißt aber nicht, dass Sie sich allen Rahmenbedingungen bedingungslos unterwer- fen müssen oder beleidigende Verbalattacken und Killer- phrasen grundsätzlich aushal- ten müssen. Wenn Sie in Ihrem Job dauerhaft gedemü- tigt werden, wehren Sie sich oder wechseln Sie den Arbeitgeber. Verabschieden Sie sich von absoluter Per- fektion. Gehören Sie auch zu den Menschen, die für ihre Kunden immer erreich- bar sind und an jedemAuftrag so lange herum- schrauben, bis er absolut perfekt umgesetzt ist? Alleskönner zu sein, ständig verfügbar und unverzichtbar für den Betrieb – das ist der Zeit- geist. Klar, Kunden erwarten Perfektion, kriti- sieren schnell und loben nur selten. Und wir versuchen alles, um sie zufriedenzustellen und möglichst keine Fehler zu machen – wenn es sein muss, auch mit Überstunden. Mit einer gesunden Leistungsbereitschaft und einer offe- nen, konstruktiven Fehlerkultur hat das aller- dings wenig zu tun. Übertriebener Perfektio- nismus ist ineffizient und in hohem Maße unproduktiv: Denn ein Perfektionist braucht oft mehr Zeit als die Kollegen. Er findet kein Ende bei der Arbeit und immer einen Grund, warum etwas noch nicht gut genug ist. Auch fällt es ihm viel schwerer, Arbeit zu delegieren, weil kein Kollege seinen Ansprüchen gerecht werden kann. Das Gefühl, nie fertig zu werden, belastet zusätzlich. Langfristig drohen nicht nur Erschöpfung und Burn-out, sondern auch Konflikte. Lösen Sie sich von dem Gedanken, immer perfekt sein zu müssen. Stellen Sie kei- ne absoluten Ansprüche an sich selbst und andere. Mit weniger Perfektionismus erreichen Sie mehr. So werden Sie schlagfertiger Wenn es in Wortgefechten mal heiß hergeht, wün- schen wir uns vor allem eines: mehr Schlagfertig- keit. Gerade unter Kollegen, wo es meist hemds- ärmeliger zugeht und der Ton zuweilen etwas rau- er ist, kann der Konter bei Vorwürfen, Killerphra- sen und unfairen Angriffen Abhilfe schaffen. Buch- autor und Managementtrainer Gero Teufert erklärt, wie Sie hier gewinnen. Ärgern Sie sich nicht andauernd. Die verletzende Aussage eines Kollegen, die Rüge vom Chef oder die Kritik des Kunden – für Sie Grund genug, sich tagelang darüber schwarz zu ärgern? Ärger tut uns nicht gut – das spüren wir alle. Er schwächt das Immunsystem, scha- det der Gesundheit und dem Wohlbefinden. Doch Frust lässt sich nun mal nicht einfach so abschalten – oder doch? Setzen Sie sich selbst ein inneres Stoppschild, halten Sie kurz inne und denken Sie über Ihren Ärger nach. Was wollen Ihnen Ihre Gefühle sagen? Machen Sie sich dabei bewusst, dass nicht ein anderer oder die widrigen Umstände den Ärger auslö- sen, sondern Ihre eigene Bewertung. Natürlich können Sie Ihrem Gegenüber direkt ins Gesicht sagen, dass Sie mit seinem Verhalten nicht einverstanden sind. Mit etwas Reflexion werden Sie aber feststellen, dass der Auslöser für Ihre Wut möglichweise eine Eigenschaft ist, die Sie selbst gerne hätten, eine Schwäche, die schon überwunden schien oder etwas, unter dem Sie möglicherweise früher selbst sehr gelitten haben. Die Suche nach der Botschaft gibt Ihnen die Möglichkeit zu neuer Selbster- kenntnis. Sie sehen: Sie können Ihre Einstellung, Ihr Denken und Ihre Bewertung so verändern, dass Sie Äußerungen von anderen als wesentlich weniger negativ oder verletzend wahrnehmen. Diese Tipps helfen Ihnen, weniger Stress zu empfinden, besonnener und weniger konfron- tativ zu handeln und leichter zu einer sachli- chen Auseinandersetzung zu kommen. So wird es gar nicht mehr so oft notwendig sein, schlagfertig zu kontern. 1. 3. 2. Der Autor: Gero Teufert ist Autor, Speaker und Management-Trainer für Charisma, Schlag- fertigkeit und Rhetorik. Als Account Mana- ger und Management Consultant war er für große internationale Konzerne tätig. Heute gibt er sein Wissen auch im Rahmen seiner Lehraufträge an mehreren deutschen Hoch- schulen sowie in seinem Unternehmens- theater „Impro For Business“ weiter. Er beweist, dass Charisma, Ausstrahlung und gekonnte Rhetorik kei- ne gottgegebenen Eigenschaften sind, sondern sich bei jedem Menschen beeinflussen und verbessern lassen. www.gero-teufert.de Der Buchtipp: Sie sind manchmal sprachlos bei Vorwür- fen, kritischen Fragen, Killerphrasen oder verbalen Tiefschlägen? Antworten, wie Sie auf diesem Problem raus kommen, liefert das Buch “Techniken der Schlagfertigkeit für Dummies - Das Pocketbuch”. Auf 128 Seiten wird erklärt, wie Sie sogar bei Angriffen unter der Gürtellinie witzig, wortgewandt und rhe- torisch überlegen rea- gieren . ISBN: 978-3- 527-71422-3, Preis 6,99 €, Wiley-VCH 2017, Weinheim. 5 4. 5. “Wir brauchen noch 20 Minuten, dann räumen wir alles auf.“ Mit dieser Antwort ist der Kunde zufrieden und Sie sind raus aus der Konfrontation. Bild Fotolia.com, Romolo Tavani 6.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2Nzg=